Dezimiert, aber erfolgreich
24.04.2019 RingenRingen, RS Freiamt: Fünf Medaillen an Schweizer Meisterschaften im Greco
Die RS Freiamt reiste mit einem dezimierten Kader an die Greco-Einzel-Schweizer-Meisterschaften nach Martigny. Umso höher sind die fünf gewonnenen Medaillen einzustufen. ...
Ringen, RS Freiamt: Fünf Medaillen an Schweizer Meisterschaften im Greco
Die RS Freiamt reiste mit einem dezimierten Kader an die Greco-Einzel-Schweizer-Meisterschaften nach Martigny. Umso höher sind die fünf gewonnenen Medaillen einzustufen. Ein Ausrufezeichen setzte Nico Küng. Für einen Schreckmoment sorgte eine unglückliche Aktion eines Walliser Ringers.
Als 16-Jähriger galt er als der Ringer der Zukunft. Danach machten ihm einige schwere Verletzungen einen Strich durch die Rechnung. Diese hinderten den heute 22-jährigen Althäuserer daran, sein grosses Potenzial in Erfolge umzumünzen. Immer wieder war zu hören, dass es bei ihm Kopfsache sei. Im Training könne er es auch. Nun hat Nico Küng bei den Greco-Schweizer-Meisterschaften erstmals angedeutet, zu was er fähig ist.
Am Ostersamstag in Martigny hat der gelernte Forstwart ein Zeichen gesetzt. Der berüchtigte Knoten löste sich bei ihm im zweiten Kampf (75 kg) gegen den Kriessener Christian Wolf. Sein Trainer Marcel Leutert musste dabei etwas nachhelfen. Als er in einen Konter lief, wies dieser ihn energisch zurecht. «Man hat gesehen, dass er es kann. Manchmal muss man ihn pushen. Darum habe ich ihn in dieser Situation, vielleicht ein wenig zu stark, wachgerüttelt. Ich denke aber, er hat es gebraucht», so Leutert. Und siehe da. Jetzt legte Küng den Schalter um und verliess wenige Minuten später die Matte als Sieger.
Chancenloser David Hungerbühler
Kein Geringerer als der Kriessener David Hungerbühler bekam im Halbfinal das wiedergewonnene Selbstvertrauen Küngs zu spüren. Im Schlüsselkampf ging Küng schnell 2:0 in Führung. Noch vor der Pause wendete aber der Ostschweizer das Blatt. Die Antwort des Freiämters waren zwei Viererwertungen. Schliesslich gewann er den Kampf deutlich. Eindrücklich war seine Performance im Final. Der Einsiedler Lukas Schönbächler hatte dem entfesselten Küng nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen. Mit vier Durchdrehern aus der Banklage heraus beendete Küng das ungleiche Duell noch vor Ablauf zweier Kampfminuten.
Für den zweiten Titel sorgte Pascal Strebel (70 kg). In einem Fünferfeld hatte er mit dem Kaderringer Andreas Vetsch nur einen namhaften Gegner aus dem Weg zu räumen. Einmal mehr kontrollierte der Olympionike den Ostschweizer. Mit einer Zweierwertung kurz nach der Pause zur 7:0-Führung zog er Vetsch den Zahn. Für Strebel war der elfte Einzeltitel keine Selbstverständlichkeit: «Ich wusste nicht genau, wo ich stehe. Durch berufliche Verpflichtungen fehlen mir einige Trainings. Mit dem Aufwand, den Vetsch betreibt, müsste er mich eigentlich schlagen», sagt er. Es sei nicht einfach gewesen. Er sei aber gut in den Kampf gekommen.
Vermeintlich schwere Nackenverletzung
Dass Strebel keinen vierten Kampf zu absolvieren hatte, war einem Schreckmoment zuzuschreiben. Der Walliser Esteban Tscharner, sein vermeintlich vierter Gegner, zog sich durch eine unglückliche Aktion beinahe eine schwere Nackenverletzung zu. Als er auf den Kopf fiel und liegen blieb, stockte den Zuschauern der Atem. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis die Sanitäter ihn transportfähig gemacht hatten. Wie durch ein Wunder tauchte er später in der Halle, eingepackt in eine Nackenstütze, wieder auf.
Die dritte Aktivmedaille gewann Flurin Meier. Der Buttwiler belegte Rang drei. Er hätte aber laut seinem Trainer in den Final vorstossen können. «Mit etwas mehr Training wäre für ihn Rang zwei möglich gewesen. Gegen Mathias Schwegler im zweiten Kampf ist ihm am Schluss die Luft ausgegangen.»
Das Fazit von Trainer Marcel Leutert: «Mit der Gesamtausbeute bin ich zufrieden. Das war ein guter Start in die Saison. Man muss aber sagen, dass wir drei bis vier Medaillen zu Hause liessen.» Dabei meinte Marcel Leutert die verletzungsbedingten Abwesenheiten seiner beiden Söhne und von Michael Bucher.
Die Kadetten, die mit neun Athleten ins Wallis reisten, gewannen mit Silas Dietiker (Rang 3, 38 kg) und Kevin Stadler (Rang 2, 74 kg) zwei Medaillen. Eine Ausbeute, die den Verantwortlichen Michael Bucher nicht ganz zufriedenstellte. «Die Leistung war nicht schlecht. Mir fehlten aber der Glaube und die Überzeugung an einen Medaillengewinn», so Bucher. Es käme hinzu, dass man zurzeit im Greco Mühe habe. Es sei aber auch zu sagen, dass bei den Freiämtern zwei Ringer aus der Kategorie Jugend eine Stufe höher angetreten seien. --ws


