Daphne und die starken Männer
01.03.2019 SportDie Ehrung des «Freiämter Sportler des Jahres» im Restaurant Sternen
Zwei Kampfsportler, ein Freiämter Fussball-Gott und eine taffe Handballerin. Die Ehrung der Sportler des Jahres war selten so harmonisch – und witzig. ...
Die Ehrung des «Freiämter Sportler des Jahres» im Restaurant Sternen
Zwei Kampfsportler, ein Freiämter Fussball-Gott und eine taffe Handballerin. Die Ehrung der Sportler des Jahres war selten so harmonisch – und witzig.
Stefan Sprenger
«Wie ein alter Sack» komme er sich vor. Besonders zwischen diesen jungen Sportlern. Vor wenigen Tagen ist er 36 Jahre alt geworden. Alain Schultz, der Bomber, Captain, Leithammel, Vorbild, der beste Kicker beim FCW, und das seit Jahren, ja fast Jahrzehnten. Er holte sich bei der Ehrung zum Freiämter Sportler des Jahres den Spezialpreis ab. Quasi für sein Lebenswerk.
Mit Überraschungsbesuch
Neben Schultz hat Andreas Döbeli Platz genommen. Döbeli, der Schwinger aus Sarmenstorf, er strahlt den ganzen Abend. Ob es wegen des 3. Rangs ist oder wegen seiner charmanten Freundin Angie, die er an seiner Seite hat? Ganz oben am Tisch sitzt Roy Cipriano, der Kickboxer, der Sieger, der Wohler, der neue Freiämter Sportler des Jahres. Sein glückliches Lachen wird nur noch von der Person neben ihm überstrahlt. Es ist Rocco Cipriano, sein sehr stolzer Papa, und selbst vierfacher Freiämter Sportler des Jahres. «Unglaublich» sei es, dass er nun tatsächlich mit seinem Sohn Roy am Tisch sitzt, 11 Jahre nachdem er zum letzten Mal die Wahl gewann.
An diesem glanzvollen Abend zu Ehren der Freiämter Sportler, sind auch die Jury-Mitglieder dabei. Blick-Sportchef Felix Bingesser und «SRF»- Produzent Philipp Stöckli mit Frau Eva. FC St. Gallen-Präsident Matthias Hüppi lässt sich entschuldigen und meldet sich per Videobotschaft aus dem KybunPark in der Ostschweiz. «BBA / WA»-Verleger Martin Nietlispach kommt mit Frau Maïté. Von der Redaktion dieser Zeitung ist Chefredaktor Dani Marti dabei und die beiden Sportredaktoren Josip Lasic und Stefan Sprenger. Und – last but not least – die einzige Sportlerin: Daphne Gautschi aus Muri. Sie holt sich den Pokal für den 2. Rang zusammen mit Vater Heinz ab. Und später schauen auch Bruder Noah und Mutter Monica Bergamaschi als Überraschung vorbei. Die taffe Handballerin, die schon der Kopf der Frauen-Nati ist, kann sich gegen die starken Männer gut durchsetzen. Allerdings hat die aufgeweckte Frau mit dem Autofahren ihre liebe Mühe, wie sie an diesem Abend erzählt.
Die Harmonie-Runde
Der Abend für die Gewinner der «Freiämter Sportler des Jahres»-Wahl
Fussballer Alain Schultz ist so alt wie Sieger Roy Cipriano und Daphne Gautschi (2. Rang) zusammen. Dafür ist der Schwinger Andreas Döbeli (3. Rang) fast so schwer wie die beiden. Auf jeden Fall verstanden sich die Sportler bestens am Abend ihrer Ehrung.
Stefan Sprenger
Wie war das mit der Fahrschule? Daphne Gautschi erzählt die Geschichte, die alle zum Lachen bringt. Momentan nimmt sie Fahrstunden in Metz, Frankreich. Dort, wo sie Handball spielt. «Also», beginnt die 18-Jährige. «Meine Fahrlehrerin wurde supersauer.» Sie versuchte dem Handball-Wunderkind aus Muri zu erklären, wo man bremst und wo man kuppelt. «Freiner» heisst auf Französisch bremsen, «embrayer» heisst kuppeln. Daphne Gautschi hat diese zwei Worte aber verwechselt. Also immer wenn sie bremsen sollte, hat sie gekuppelt. Immer wenn sie kuppeln sollte, hat sie gebremst. Es dauerte lange, bis die nervlich zerstörte Fahrlehrerin und die verwirrte Fahrschülerin aus dem Freiamt gemerkt haben, wo das Problem liegt. «Irgendwann habe ich es dann gecheckt und von da an wurde es nur noch besser», lacht Gautschi.
Schultz: «Mal schauen, wie lange mich die Füsse tragen»
Es war eine von vielen Geschichten dieses Abends. Dieses sehr harmonischen Abends zu Ehren der Sieger bei der Wahl zum «Freiämter Sportler des Jahres» im Restaurant Sternen in Wohlen. Und alle sind gekommen. Andreas Döbeli, der Schwinger aus Sarmenstorf, er nahm den Pokal für den 3. Rang entgegen. «Ein genialer Abend mit spannenden Sportlern. Ich hätte nicht gedacht, dass es so locker und cool wird», sagt der 20-Jährige, der mit seinen 108 kg Kampfgewicht (fast) schwerer ist als Sieger Roy Cipriano und Handballerin Daphne Gautschi zusammen. Döbeli kam in Begleitung seiner Freundin Angie Kammermann. Die beiden haben sich nach einem Schwingfest kennengelernt, bei dem sie die Ehrendame von Döbeli war.
Den Spezialpreis holte sich Alain Schultz ab. Die FC-Wohlen-Vereinslegende. Er hat am meisten Spiele absolviert für den FCW, er ist Idol, Leithammel, Captain, Identifikationsfigur, er blieb beim FCW und half beim Neuanfang, obwohl er hätte gehen können. Bei «Schultzi» darf man die Superlative raushauen, ein absolut würdiger Preisträger. Spannender Fakt: Sieger Cipriano (17 Jahre) und die Zweitplatzierte Daphne Gautschi (18 Jahre) sind zusammen nicht so alt wie Schultz, der vor wenigen Tagen seinen 36. Geburtstag feierte.
Als Schultz den Spezialpreis erhält, wird er gefragt, wie lange seine Karriere denn noch dauert. Er ist momentan, nach seinem Kreuzbandriss, wieder kurz vor dem Comeback. «Mal schauen, wie lange mich die Füsse noch auf dem Platz tragen», meint er geheimnisvoll. Solange er Spass hat, macht er weiter.
«Babysitterin war nicht sauer»
An die Ehrung wurden auch die Jurymitglieder eingeladen. Matthias Hüppi, Präsident des FC St. Gallen und (noch ein paar Monate lang) wohnhaft in Berikon, war verhindert, schickte aber per Videobotschaft die besten Wünsche – und einen Spezialgruss an Philipp Stöckli, der ebenfalls in der Jury sitzt und mit Hüppi bis vor einem Jahr beim SRF eng zusammenarbeitete. Stöckli, der Oberfreiämter, der einst bei dieser Zeitung arbeitete, kam in Begleitung seiner Frau Eva. «Der Abend hat schön gezeigt, warum der Sportjournalismus so spannend ist: eine tolle Runde mit interessanten Menschen und Geschichten, die mehr gemeinsam haben, als man auf den ersten Blick denken würde. Es ist immer wieder schön zu sehen, was für eine Vielfalt an Sportlern das Freiamt hervorbringt», meinte Stöckli.
Der Abend ging so schnell vorüber, dass man die Zeit vergessen konnte. Die Eltern hatten für den Abend eine Babysitterin engagiert, die auf die beiden 4-jährigen Zwillinge Niklas und Mattis und auf Raphael (18 Monate) aufpasst. Es wurde jedoch einiges später als vereinbart. «Die Babysitterin war aber nicht sauer, weil es als Wiedergutmachung für die Verspätung ein Taxi nach Hause gab», erzählt Stöckli lachend.
«Blick»-Sportchef Felix Bingesser verbrachte einen «gemütlichen und inspirierenden Abend mit jungen Sportlern aus der Region». Es seien keine Millionäre in kurzen Hosen, sondern «Amateure, die auch neben ihren sportlichen Leistungen fokussiert ihren Weg gehen», so das Jurymitglied aus Waltenschwil.
In diese Kategorie der fokussierten Sportler gehört der neue «Freiämter Sportler des Jahres» Roy Cipriano, der in Begleitung seines Vaters Rocco Cipriano kam. «Der Abend war sehr angenehm und einfach megatoll. Die Sportler, das Team der Zeitung, die Jurymitglieder, alle sind sehr sympathisch. Gautschi, Döbeli und Schultz sind vorbildliche Sportler», meint der 17-Jährige Roy Cipriano, der an diesem Abend auch erzählt, wie sehr sich sein Umfeld (und natürlich auch er selbst) über diesen besonderen Titel freut. Schliesslich bekam er den Glaspokal, von dem er schon lange träumte. «Mein Vater hat vier davon. Ich finde diese Trophäe wunderschön und freue mich jetzt riesig, dass ich auch so eine habe.»
Gautschi: «So ist meine Familie»
Eine Überraschung folgte um kurz nach 22 Uhr. Monica Bergamaschi, die Mutter von Daphne Gautschi, und deren Bruder Noah Gautschi, der gerade mit dem STV Baden ein Handballspiel der NLB hatte, kamen im Vorbeifahren spontan im «Sternen» vorbei. «So ist meine Familie», lachte Gautschi. Sie fügten sich nahtlos in die harmonische Runde ein, die sich kurz nach Mitternacht mit lauter zufriedenen Gesichtern nach Hause verabschiedete. Und das Schlusswort gehört der Fahrschülerin und dem Handball-Wunderkind Daphne Gautschi. Auch wenn sie Kuppeln und Bremsen verwechselt, «gebe ich weiterhin Vollgas». Denn wo das Gaspedal zu finden ist, das weiss sie – und auch die anderen jungen Sportler – bestens.








