Kampf einer Randsportart
29.01.2019 SportBasketball: Ein Blick auf die Freiämter Clubs Mutschellen Basketball und Wohlen Basket
Basketball ist weltweit eine der populärsten Sportarten. Während er in der Romandie ebenfalls sehr beliebt ist, fristet er in der Deutschschweiz ein ...
Basketball: Ein Blick auf die Freiämter Clubs Mutschellen Basketball und Wohlen Basket
Basketball ist weltweit eine der populärsten Sportarten. Während er in der Romandie ebenfalls sehr beliebt ist, fristet er in der Deutschschweiz ein Schattendasein. Wie ist die Lage bei den Freiämter Vereinen Mutschellen Basketball und Wohlen Basket?
Josip Lasic
«Ich wollte nie Fussball spielen», sagt Dennis Kolcava, Präsident von Mutschellen Basketball. «Wir kannten jemanden in einem kleinen Basketballverein in Neuenhof. Mit ihm konnte ich ins Training. Als ich dann an die Bezirksschule in Berikon wechselte, kam ich auch zum Verein.» Kolcava ist 26 Jahre alt, doktoriert in Umweltpolitik an der ETH Zürich und ist seit bald fünf Jahren Präsident der Mutscheller Basketballer. Er war acht Jahre alt, als er mit dem Basketballsport anfing.
Oliver Schmitt ist seit einem halben Jahr Präsident von Wohlen Basket. Der 25-jährige kaufmännische Angestellte aus Hägglingen spielt seit zehn Jahren Basketball. Im Gegensatz zu Kolcava spielt er nicht mehr beim eigenen Verein. «Bei Wohlen bin ich Präsident, Schiedsrichter und ich unterstütze die Junioren-Trainer», so Schmitt. «Mittlerweile spiele ich allerdings in Baden.» Schmitt wechselte gemeinsam mit dem ehemaligen Trainer der Wohler zu Baden. Er kam über den Schulsport mit dem Basketball in Kontakt.
Vereine sind Mangelware
Dass sich die beiden für diesen Sport entschieden haben, ist keineswegs selbstverständlich. Im gesamten Kanton Aargau gibt es neun Basketballvereine. Aarau, Aarburg, Baden, Zofingen-Olten, Boniswil-Seengen, Oberwynental, Spreitenbach-Dietikon, Mutschellen und Wohlen. Zwei davon, Spreitenbach-Dietikon und Zofingen-Olten, sind keine «rein aargauischen Vereine». Das Freiamt hat mit Mutschellen und Wohlen nur zwei Clubs.
Mutschellen ist der erfolgreichere der beiden regionalen Vereine. In ihren besten Zeiten spielten die Mutscheller in der 1. Liga national, der dritthöchsten Spielklasse der Schweiz. Aktuell ist Kolcavas Verein in der 2. Liga regional, der fünfthöchsten Spielklasse, klassiert.
Wohlen kann keine solche Tradition vorweisen. Der ursprüngliche Wohler Verein, der «BC Kanti Wohlen», hat sich zu Beginn der 00er-Jahre aufgelöst. Der Nachfolger, «Wohlen Basket», ist aus der Basketballsektion des Sportvereins Tägerig entstanden. «Wir trainieren und spielen hauptsächlich in Wohlen. Das ist der primäre Grund für die Namensgebung», erklärt Schmitt. Nach der «Neugründung» haben sich die Wohler von der 4. Liga bis in die 2. Liga regional hochgekämpft. Mittlerweile spielen sie wieder in der 3. Liga. Letztes Jahr ist Wohlen Basket in den Aufstiegsspielen zur 2. Liga gescheitert.
Spieler und Trainer: Ebenfalls Mangelware
In der laufenden Spielzeit peilen die Wohler den Aufstieg nicht mehr an. Grund: Durch Abgänge hat das Team an Substanz verloren. Kein neues Phänomen in Wohlen. Die Auflösung des BC Kanti Wohlen hatte ebenfalls einen Mangel an Spielern als Ursache. Aktuell stellt Wohlen Basket drei Teams. Eine Aktivmannschaft, eine U17 und eine U20. «Letztes Jahr hatten wir eine U9 und eine U13, doch die Trainer dieser Mannschaften haben aufgehört», so Schmitt. «Basketball wird bei den Jüngeren immer populärer, doch es fehlt an kompetenten Trainern», erklärt er. Für Schmitt ist das der Hauptgrund, wieso der Basketballsport in der Deutschschweiz kränkelt.
Dieses Problem hat Mutschellen Basketball nicht mehr. «Wir haben sehr gute Trainer», sagt Kolcava. Mutschellen Basketball hat aktuell acht Teams. Zwei Aktivmannschaften, eine U17, eine U15, zwei U13-Teams, eine U11 und eine U9. Was die Mutscheller nicht mehr haben, sind Frauenmannschaften. «Wir hatten lang ein Frauen- und ein Juniorinnenteam. Aktuell können wir aus Mangel an Spielerinnen keines stellen», so Kolcava. «Wir hoffen, in den nächsten Jahren wieder eines stellen zu können.»
Dennoch hat Mutschellen Basket rund 80 Mitglieder. Eine beeindruckende Leistung, gemessen daran, dass auf dem Mutschellen mit dem Handballclub HC Mutschellen der grösste Handball-Club des Kantons und der FC Mutschellen mit der grössten Fussball-Juniorenabteilung des Kantons zu Hause sind. Kolcava gibt Schmitt recht, dass vieles mit guten Trainern steht und fällt. Mutschellen Basketball hat diesbezüglich den Vorteil, über Jahre gute Spieler gehabt zu haben, von denen einzelne als Trainer im Club aktiv geblieben sind.
Kolcava sieht auch andere Gründe, wieso Basketball in der Deutschschweiz gegenüber der Romandie hinterherhinkt. «Basketball ist keine traditionelle Schweizer Sportart», sagt er. «Rund um den Genfersee ist die Bevölkerung deutlich internationaler. Diese Klientel hat den Sport, der aus den USA stammt, deutlich schneller angenommen als die Deutschschweiz, in der traditionellere Sportarten wie Handball, Unihockey oder Fussball populärer sind.» Neben den kulturellen Schwierigkeiten sieht Kolcava auch Probleme im organisatorischen Bereich. Der schweizerische Basketballverband ist in neun Unterverbände unterteilt. Fünf aus der Westschweiz, einer aus dem Tessin und drei aus der Deutschschweiz. Der Nordostschweizer Basketballverband «Probasket», in dem Wohlen und Mutschellen Mitglied sind, umfasst 58 Vereine und das geografische Gebiet der gesamten Deutschschweiz ohne Basel und Bern sowie Liechtenstein und dem Vorarlberg. «In einem so riesigen Verband ist die Kommunikation viel schwieriger als in den kleineren Westschweizer Verbänden, die auf einem deutlich kleineren Raum konzentriert sind.»
Zentralisierung als Chance
Mutschellen mag sportlich nicht so stark sein wie zu Zeiten in der 1. Liga national. Insgesamt geht es dem Verein laut Kolcava allerdings deutlich besser. Mit der Basis an Nachwuchsmannschaften und guten Trainern ist der Verein auch für die Zukunft gut aufgestellt. Das nächste Ziel ist eine Wiedereinführung der Frauenmannschaften. Den Mutschellern geht es grundsätzlich gut. Während Kolcava nach Basketballerinnen sucht, benötigt Schmitt in Wohlen Trainer und Spieler in allen Bereichen. Sein Ziel ist es, im Bereich der «Minis», der U9 und U13 wieder Teams stellen zu können. «Ich kann allerdings auch nicht garantieren, dass es in den nächsten Jahren immer eine Aktivmannschaft geben wird», so der Wohlen-Präsident.
Eine Lösung scheint in der Pipeline zu sein. In der Nationalliga A konnte Swiss Central als Team, das eine gezielte Zusammenarbeit der Innerschweizer Vereine darstellt, in die Phalanx der Westschweizer Vereine eindringen. Im Aargau gibt es Bestrebungen, ein «Team Argovia» ins Leben zu rufen. «Davon würde langfristig der ganze Basketballsport profitieren», sagt Schmitt. In diesem Fall auch Mutschellen Basketball und Wohlen Basket.



