Jassen – ein tierischer Anlass
06.11.2018 Boswil12. Muni-Jass in Boswil – aus der Sicht eines Teilnehmers
548 Jasserinnen und Jasser spielten in Boswil um den Muni. Gewonnen hat ihn ein Teilnehmer aus Zürich. Viel zu sehen, noch mehr zum Schmunzeln – aus der ganzen Schweiz kommen die ...
12. Muni-Jass in Boswil – aus der Sicht eines Teilnehmers
548 Jasserinnen und Jasser spielten in Boswil um den Muni. Gewonnen hat ihn ein Teilnehmer aus Zürich. Viel zu sehen, noch mehr zum Schmunzeln – aus der ganzen Schweiz kommen die Jassenden, alle mit ihren Eigenheiten und ihren Ambitionen auf den Muni.
Was zeichnet einen Schweizer aus? Einen richtigen Schweizer? Sicher Rütliwiese, Tellsplatte, Hohle Gasse, Bundeshaus und reihenweise Schwing-, Älpler- und Jodelfeste. Doch der innere Kreis der Eidgenossen hält die Karten ganz nah an der Brust. Diese ehren den Bauern, halten das Banner hoch, schieben mal die Verantwortung ab, um danach wieder flott zu schmieren – Partnertausch inbegriffen.
Günstigste Lesebrillen in der Landi
So treffen sich die helvetischen Asse in Boswil, um den Hauptpreis auszujassen. Einen Muni, den eigentlich gar nicht mancher will, da er daheim nirgends hingestellt werden kann. Logischerweise heisst der Anlass Muni-Jass. Somit ist schon mal sichergestellt, dass Vegetarier und Veganer weniger verbissen um den Tagessieg kämpften. Wer nicht gewinnt, bekommt zum Trost ein kleines Schinkli. Als Zwischenverpflegung werden Schinken- und Salamieingeklemmte gereicht. Zudem wird den erschöpften Jassern zum Znacht noch ein Paar nette Schweinswürste serviert. Bestimmte ethnische Jassgruppen sind eher untervertreten, was den Anwesenden aber ziemlich wurst ist.
Das Freiamt hat sich seinen Namen vielfach verdient. So auch beim Jassen. Völlig selbstbestimmt sind die Freiämter fast die Einzigen im Kanton Aargau, die mit dem deutschen Blatt spielen. Einige Jasser treffen schon Stunden vor dem Start ein. Sie besetzen die besten Plätze und jassen sich gesellig ein. Jeder kriegt ein Standblatt mit einem gelben Durchschlagpapier. Dann werden die Mitjasser zugelost. Gängig heissen Mitspieler Jäger, Köpfli, Stierli oder Fischer. Hans, Kari, Franz und Toni. Man stellt sich vor, schüttelt gutschweizerisch Hände. Wenn die Zeit reicht, gibt es noch einen Schwatz. So kann man durchaus einen Jassgegner zugelost bekommen, der zum eigenen Grossvater in die Schule ging. Auf der Jassmatte bekämpfen sich Buur, Ober und König wie die Schwinger auf dem Sägemehl. Es geht los: 16 Runden mit dem gleichen Jasspartner. Während dem Spiel werden zuweilen auch praktische Informationen ausgetauscht. So kriegt man in der Landi die günstigsten Lesebrillen, die ideal fürs Jassen sind. Aber zuweilen können die Spieler die Sache höllisch ernst nehmen. Ein Partner kann grausam zusammengestaucht werden, obschon das Punktemaximum erreicht wurde. Für Aussenstehende unergründlich.
Handy hat auf dem Tisch nichts verloren
Lotti sagt nicht nur, dass die Karten eng an der Brust zu halten sind. Sie wirft auch ein akribisches Auge auf den zählenden Viktor. Das hingegen passt Letzterem gar nicht in den Kragen. Schlechtere Jasser kämpfen um die Gunst der Partner. Wenn dann das Handy noch mitten im Spiel losgeht, ist der Geduldsfaden endgültig gerissen.
Dreimal kriegt man neue Hoffnung mit verschiedenen Mitjassern. Nach 64 Runden ist Schluss. Wer mehr als 5300 Punkte ergattert, kann hoffen, ein grosses Stück Fleisch nach Hause zu tragen. Im besten Fall wird dem Gewinner der Strick gereicht, um den störrischen Muni heimzuführen. Einige schieben einfach weiter bis zum Lichterlöschen. Der Rest zieht frohen Mutes ab. Bis zum nächsten, dem 13. Muni-Jass, am 2. November 2019. --zg
Die Besten
Der Gewinner des 12. Muni-Jasses kommt aus Zürich: Bruno Gemperle gewinnt mit 5813 Punkten. Im zweiten Rang liess sich Bernhard von Ballmoos aus Dottikon feiern (5744 Punkte) und im dritten beziehungsweise vierten Rang sind Ernst Aeschbach aus Wetzikon (5675 Punkte) bzw. Alois Hasler aus Dornach (5642 Punkte).



