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13.11.2018 MusikKonzert der Musikgesellschaft Hermetschwil-Staffeln unter dem Motto «Ned ganz hondert»
Das Motto spielte auf das Jubiläum an, welches der Verein nächstes Jahr feiern wird. Das wird er stilvoll im Casino tun. Zunächst aber lieferte ...
Konzert der Musikgesellschaft Hermetschwil-Staffeln unter dem Motto «Ned ganz hondert»
Das Motto spielte auf das Jubiläum an, welches der Verein nächstes Jahr feiern wird. Das wird er stilvoll im Casino tun. Zunächst aber lieferte er einen hundertprozentig gelungenen Konzertabend ab.
Lis Glavas
Wenn die MG Hermetschwil zum Jahreskonzert ruft, ist die Turnhalle des St. Benedikt garantiert voll. «Lieber eine kleine volle Halle als leere Reihen», erklärte Präsident Gregor Keusch. Wie recht er hat. Das Jahreskonzert seines Vereins ist das grösste Kulturereignis des «schönsten Stadtteils von Bremgarten». Zitat Gregor Keusch. Er begrüsste Diakon Ueli Hess, der im Begriff ist, seine Zelte ins Tessin zu verlegen. «Wenn du wieder mal gute Musik hören willst, komm zu unserem Konzert.» Er begrüsste Dora Weissenbach. Die Kulturstiftung Weissenbach hat die MG Hermetschwil in die Liste der von ihr begünstigten Vereine aufgenommen.
Anspruchsvoller Stilmix
«Die Musikkommission muss verliebt gewesen sein, als sie dieses Programm zusammenstellte. Fast alle Stücke befassen sich mit der Liebe.» Ansagen langweilen oder geben einem Konzert Würze. Ansagerin Alexandra Köchli ist keine der Langweiligen. Sie nahm das Motto «Ned ganz hondert» geschickt auf und verpackte ihre Informationen zu den vorgetragenen Werken entsprechend.
Der «99er-Regimentsmarsch» wies auf das bevorstehende Jubiläum hin, die Polka «Böhmische Liebe» auf den Gastauftritt im Galakonzert am 2. November nächsten Jahres. Das werden die «Dorfspatzen Oberägeri» sein, Vize-Schweizer-Meister in der Kategorie Blaskapellen. Sie vertreten die böhmische Musikkultur und öffnen sich auch für zeitgenössische Unterhaltungsmusik. «Sie spielen auf hohem Niveau und haben hervorragende Solisten in ihren Reihen», weiss Gregor Keusch.
Die Hermetschwiler Musikantinnen und Musikanten bewegten sich in unterschiedlichsten Stilen; vom Volkstümlichen über Klassik zu Rock, Pop und Latin. «Diese Stilwechsel waren die grosse Herausforderung», erklärte Dirigent Thomas Kohler, der sehr zufrieden war mit seinem Korps. Die knappe Besetzung einzelner Register erfordere von jedem Mitglied hundertprozentigen Einsatz. «Schön wäre vor allem, wenn wir ein paar Holzinstrumente mehr hätten.» Ihre Grenzen lotete die Formation mit dem anspruchsvollen Stück «Le Calife de Bagdad» aus. Eine Standortbestimmung. «Auf der können wir aufbauen», sagte Thomas Kohler. Hauptanliegen sei es, die Freude am Spiel bewahren und aufs Publikum übertragen zu können. Der Kalif, der sich regelmässig in Paris aufhält, sich inkognito unters Volk mischt und seine Liebe findet, ist der Protagonist einer Oper, die auch verfilmt wurde. Mit gutem Grund sparte das Publikum nicht an Applaus.
Rössli galoppierten prächtig
Einer speziellen Herausforderung hatte sich Perkussionist Fabian Stalder gestellt. Nur sechs Wochen standen ihm zur Verfügung, um sein Solo einzuüben. «Erinnerungen an Zirkus Renz» heisst das Stück, welches am Xylofon zu schnellem Galopp auffordert, wie Alexandra Köchli sich ausdrückte. Fabian Stalders Rössli galoppierten prächtig. «Nein, zufrieden bin ich nicht», wehrte er nach dem Konzert ab. «Ich war etwas zu nervös.» Auf jeden Fall war seine Leistung die vom Publikum gewünschte Zugabe wert.
Im zweiten Konzertteil setzte sich der Liebestaumel der Musikkommission vollends durch. «Save the last dance for me», «Take me to your heaven», «You’re the greatest lover» und weitere bekannte Titel führten zum Millionenseller aus dem Jahr 1958, zu «Patricia» aus der Feder des kubanischen Komponisten Perez Prado. Mit zwei Zugaben endete der Konzertteil des Abends.
Sommerkonzert mit Stadtmusik
Nebst dem Jahreskonzert in speziellem Rahmen würdigt das Sommerkonzert im Klosterhof den 100. Geburtstag der Jubilarin. Am 15. Juni feiern die Hermetschwiler ihre Geschichte mit der Stadtmusik Bremgarten und der Musikschule. Ihre ersten 50 Jahre lässt die MG Hermetschwil musikalisch Revue passieren. Die Stadtmusik übernimmt die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts. Ihre Bedeutung als Nachwuchslieferantin unterstreicht die Musikschule mit einem eigenen Programm. «Die Einbindung der Musikschule war uns sehr wichtig», sagte Gregor Keusch. «Ihre aufbauende Arbeit ist für beide Vereine unverzichtbar.» Das OK Jahreskonzert setzt sich aus Mitgliedern beider Vereine zusammen.
Dann bleibt den Musikantinnen und Musikanten im Jubeljahr noch die Vereinsreise. Sie führt ins Mekka der Blasmusik inklusive Besuch eines Musikfestes im Allgäu.



