Boswil: Holzpreis für Künstlerhaus
02.11.2018 BoswilEs ist das Erste seiner Art im Kanton Aargau. Erstmals wurde ein modernes Foyer an eine unter Denkmalschutz stehende Kirche angebaut. Und nun erhielt das Projekt den zweiten Rang am Prix Lignum der Region Nord. Nicht nur für Architekt Gian Salis, auch für Geschäftsführer ...
Es ist das Erste seiner Art im Kanton Aargau. Erstmals wurde ein modernes Foyer an eine unter Denkmalschutz stehende Kirche angebaut. Und nun erhielt das Projekt den zweiten Rang am Prix Lignum der Region Nord. Nicht nur für Architekt Gian Salis, auch für Geschäftsführer Michael Schneider eine grosse Ehre. --ake
Die Sympathie des Holzes
Auszeichnung Prix Lignum für die Stiftung Künstlerhaus Boswil
Das neue Foyer der Alten Kirche des Künstlerhauses Boswil gewinnt den zweiten Rang Region Nord des Prix Lignum. Der Preis zeichnet den innovativen, hochwertigen und zukunftsweisenden Einsatz von Holz aus. Das freut auch Geschäftsführer Michael Schneider.
Das Publikum sollte vor und nach den Konzerten in der Alten Kirche sprichwörtlich nicht mehr im Regen stehen. Darum richtete das Künstlerhaus Boswil 2014 einen Architekturwettbewerb für ein Foyer aus, den der Zürcher Architekt Gian Salis gewann.
Sein Entwurf war inspiriert von den grossen Dächern der Bauernhäuser in Boswil und dem Vordach des Hauptportals der Alten Kirche. Die einfache und bestechende Idee des Zürchers: das Foyer als grosses Vordach zu gestalten. Das Dach wird von der Kirchenmauer gehalten und steht auf vier Stützen auf einer langen Bank aus geschliffenem Beton. Diese dient den Gästen als Sitzbank und überspannt als Träger die mittelalterliche Ruine, die darunterliegt. Eine geschwungene Treppe aus Mägenwiler Muschelkalk, der auch schon beim Bau der Kirche verwendet wurde, bildet den neuen Zugang zum Kirchenraum. Darüber wölbt sich das Dach auf und verleiht dem Foyer Grosszügigkeit, ohne die Kirchenfenster zu verdecken.
Bestätigung und Befriedigung in einem
Trotz der Spannweite von neun Metern wirkt das Dach fein und verspielt – wie ein vom Wind in Bewegung versetztes Tuch. Gebaut ist das Dach wie die historischen Dächer im Freiamt aus Fichtenholz, das jedoch durch die rötliche Lasierung veredelt wurde. In enger Zusammenarbeit mit einem Ingenieur entwickelte Salis eine innovative Konstruktion aus einer Schar von im Verbund tragenden, gebogen verleimten Trägern. Die feingliedrige Konstruktion wirkt luftig leicht und erfüllt doch alle technischen Anforderungen. Sie dämmt, verbessert die Raumakustik und nimmt die Beleuchtung auf.
Michael Schneider, Geschäftsführer der Stiftung Künstlerhaus Boswil, weiss, dass der Bauprozess nicht immer einfach war – in finanzieller und planerischer Hinsicht, aber auch vom Gelände her. «Dieser Preis ist die Bestätigung und die Befriedigung, dass der Prozess trotzdem zu einem rundum erfolgreichen Ende geführt hat», sagt er. Der Prix Lignum zeige, dass hier «wirklich ein innovatives Bauwerk mit Ausstrahlung entstanden ist». Speziell sei dies auch, weil es das erste Mal war, dass im Kanton Aargau ein moderner Anbau an eine denkmalgeschützte Kirche realisiert wurde.
Natürlich und vielfältig einsetzbar
Der Architekt Gian Salis zeichnet auch für das nächste grosse Bauprojekt des Künstlerhauses Boswil verantwortlich. «Die Zusammenarbeit basiert auf einer gleichzeitig beruflich hochprofessionellen und persönlich sehr empathischen Ebene», betont Michael Schneider. Er ist überzeugt, dass ohne Salis’ Verständnis des Ortes und seiner Sensibilität für Proportionen und Materialien dieses Foyer und seine eindrückliche Wirkung nicht möglich gewesen wäre. Gleichzeitig betont Schneider auch, dass das Foyer und der Prix Lignum auf einer gemeinschaftlichen Anstrengung basieren.
Gleich wird es beim nächsten Projekt aussehen. In den nächsten zwei Jahren wird das denkmalgeschützte Sigristenhaus aufwendig ausgebaut und modernisiert. Auch bei diesem Bauprojekt wird der Baustoff Holz eine zentrale Rolle spielen. Und das freut Michael Schneider, der eine persönliche Bindung zum Baustoff Holz hat. «Ich bewege mich äusserst gerne im Wald und nehme seine Stimmungen wahr», sagt er. Holz sei für ihn deshalb ein äusserst natürliches, ideales, vielfältig einsetzbares Material mit grosser Ausstrahlung und einem hohen Sympathiewert. «Nicht zuletzt deshalb haben wir uns auch privat ein Holzhaus bauen lassen», fügt er an.
Die Siegerprojekte des Prix Lignum der Region Nord sind vom 14. November bis 20. Dezember in der Schweizerischen Bauschule Aarau in Unterentfelden ausgestellt. Gian Salis, der Architekt des Foyers, hält an der Ausstellungseröffnung am 14. November, 16.30 Uhr, einen Vortrag zu seinem preisgekrönten Bauwerk. --zg/ake



