Dunkelblaues Auge
21.08.2018 SportFussball, Schweizer Cup: Der FC Wohlen duselt sich mit einem 4:3-Auswärtssieg nach Verlängerung in die nächste Runde
Nach einer Schultz-Show im ersten Durchgang und einer 2:0-Führung folgt der Einbruch gegen Portalban-Gletterens. Der FC Wohlen ...
Fussball, Schweizer Cup: Der FC Wohlen duselt sich mit einem 4:3-Auswärtssieg nach Verlängerung in die nächste Runde
Nach einer Schultz-Show im ersten Durchgang und einer 2:0-Führung folgt der Einbruch gegen Portalban-Gletterens. Der FC Wohlen zeigt aber Moral, dreht einen 2:3-Rückstand und feiert den ersten Pflichtspielsieg nach fast einem Jahr. Nun wartet der FC Wil aus der Challenge League.
Stefan Sprenger
«Weder Fisch noch Vogel.» Dies sagt FC-Wohlen-Trainer Piu über den nächsten Cupgegner des FC Wohlen am 15./16. September. Den FC Wil kennt man beim FC Wohlen bestens aus den 16 Jahren Challenge League. 40 Direktduelle gab es in all den Jahren. 15 Mal siegte Wohlen, 15 Mal der FC Wil – neunmal gabs ein Unentschieden. Dass es nun wieder gegen den FC Wil geht, «macht mich nicht ganz glücklich», so Piu. Man hätte sich im Lager der Freiämter entweder ein Super-League-Team oder einen unterklassigen Gegner gewünscht. Wil ist irgendwas dazwischen, eben: «Weder Fisch noch Vogel».
100 Fans im Stadion am See
Dass der FC Wohlen aber überhaupt weitergekommen ist, kostete Nerven. Viel Nerven. Das Spiel startete zugunsten der Wohler. 100 Zuschauer (!) im Stadion Les Grèves in Portalban direkt am Neuenburgersee sehen, wie das Heimteam in der ersten Halbzeit untendurch muss. Der FC Wohlen ist organisiert, engagiert und spielfreudig. Und Captain Alain Schultz, 35 Jahre alt, ist der beste Mann auf dem Feld. Sein Volleytor nach 23 Minuten in den Winkel ist eine Sahneschnitte. Nach einer halben Stunde trifft er per Freistoss nur den Pfosten. Nach 34 Minuten kracht Schultz aus der Distanz einen Ball aufs Tor. Der leicht übergewichtige Goalie kann mit den Fingerspitzen klären. Der FC Portalban-Gletterens lässt Schultz sehr viele Freiheiten.
Als gleich nach der Halbzeit Jordi Nsiala auf 2:0 erhöht (47.) glaubt man, das Spiel sei gelaufen. Zu stark Wohlen, zu harmlos das Heimteam. Nach genau einer Stunde kommt das Team aus der 2. Liga interregional aber zum Anschluss. «Mit einem abgefälschten Schuss kommen sie wieder ins Spiel und sind dann extrem motiviert», sagt Wohlens 18-jähriger Innenverteidiger Jan Burkard. Während er zuvor beinahe arbeitslos blieb, war der Abwehrspieler nun gefragt. Die Freiburger drücken, Wohlen hat den Betrieb grösstenteils eingestellt. «Wir machten uns das Leben selber schwer und haben den Gegner aufgebaut», sagt Captain Schultz. So kommt es, worauf die spärlich erschienen Heimfans gewartet haben. Pass in die Mitte, Abpraller, Tor. Nach 68 Minuten war das Spiel ausgeglichen (2:2). Es sah nach einem ruhigen Abend aus für den FC Wohlen. Nun war es ein richtiger Cupfight, der in die Verlängerung ging.
Nsiala sorgt für Auferstehung
Der FC Wohlen bäumt sich auf, kommt zu Chancen durch Burkard, Momo Seferi und Stefano Milani. Doch es ist der Unterklassige, der trifft. 94. Minute, 3:2. Der junge Burkard sagt selbstkritisch: «Ich wollte klären, bin ausgerutscht und habe es dem Gegenspieler leicht gemacht, das Tor zu machen. Das 3:2 geht voll und ganz auf meine Kappe.»
Das berühmte Momentum ist nun klar aufseiten des FC Portalban-Gletterens. «Mit dem Rücken zur Wand haben wir dann enorm viel Moral bewiesen und das Ding gedreht», sagt Schultz. Das Heimteam ist stehend k.o. – Wohlen hat noch Luft. In der 96. und 103. Minute erlöst Jordi Nsiala den FC Wohlen mit zwei Toren. Der grossgewachsene Stürmer ist hocheffizient mit seinen Chancen. Der Gegner hat noch eine grosse Torchance, bevor der Schiedsrichter abpfeift.
Erster Pflichtspielsieg seit dem 30. September 2017
Trainer Piu sagt nach dem Spiel: «Das hat gar Nerven gekostet. Ich habe aber nie am Sieg gezweifelt. Und auch das Team hat immer daran geglaubt.» Piu sagt weiter, die Mannschaft habe bei den Gegentoren dieselben Eigenfehler wie in der Meisterschaft gemacht. Mit viel Moral verhindert Wohlen einen zweiten «Linth-Vorfall». Gegen das Team aus der 2. Liga interregional scheiterte man im Vorjahr gleich mit 0:4. «Charaktertest bestanden, eine Runde weiter. Das ist das Einzige, was zählt», sagt Captain Schultz.
Besonderer Fakt: Der 4:3-Sieg gegen Portalban-Gletterens ist für Wohlen der erste Pflichtspielsieg seit dem 30. September 2017 und dem 3:2-Sieg gegen Winterthur. Nun wartet Wil im Cup. «Wir haben eine Chance weiterzukommen», sagt Trainer Piu. Am kommenden Samstag geht es weiter in der Meisterschaft. Um 17.30 Uhr kommt der SC Brühl in die Wohler Niedermatten.



