Das Cheminée hat überzeugt
10.08.2018 RudolfstettenSommerserie «Wohnen an einem besonderen Ort»: Claudia Rietzschel, Mühle Rudolfstetten
In Rudolfstetten ist die Mühle das älteste Gebäude. Claudia Rietzschel suchte nicht explizit nach einem geschichtsträchtigen Wohnobjekt. Ihr ...
Sommerserie «Wohnen an einem besonderen Ort»: Claudia Rietzschel, Mühle Rudolfstetten
In Rudolfstetten ist die Mühle das älteste Gebäude. Claudia Rietzschel suchte nicht explizit nach einem geschichtsträchtigen Wohnobjekt. Ihr gefiel auf Anhieb das grosszügige Cheminée. Die Möblierung hat sie dem speziellen Raum angepasst.
Ruth Meier
1639 – dieser Jahreszahl begegneten schon viele Schulkinder während der Primarschule Rudolfstetten. Vor 379 Jahren erbaute Heinrich Wiederkehr aus Dietikon die Mühle im Unterdorf. Der damalige Ammann von Dietikon hat sich und seine Frau Margareta Kuony mit einem Wappenrelief (Mühlrad mit zwei steigenden Widdern) und die Jahreszahl 1639 am Portalsturz festgehalten. Ebendieser Türsturz dient heute als Kaminsims in der Wohnung von Claudia Rietzschel. «Bei der Wohnungssuche vor gut sechs Jahren hat es klick gemacht. Dieses grosse Cheminée hat es mir einfach angetan», sagt sie. «Meine Vermieter», so Rietzschel weiter, «haben die Mühle mit enorm viel Aufwand renoviert. In jeder der fünf Wohnungen hat es ein Cheminée.» Die Mühlebesitzer wohnten bis vor Kurzem selber im Haus.
Perfekte Parterrewohnung
Das imposante Cheminée in der Wohnung von Claudia Rietzschel ist nicht nur schön anzuschauen, es dient ihr auch im Winter. Pro Saison verfeuert Rietzschel einige Ster Holz. «Mir gefällt die kuschelige Wärme und die damit verbundene Romantik.» Die 49-Jährige hat die Möblierung für die hohen Räume zusammen mit einem Innenarchitekten ausgesucht. «Er hat wunderbare Ideen. Diese Wohnräume verlangen nach entsprechenden Sitzgelegenheiten und Schränken.» So sitzt der Gast an einem massiven Holztisch. Ob er die gemütliche Sitzbank oder den grosszügigen Sessel wählt, ist ihm überlassen. Ein schwerer, dunkler Sekretär und ein markanter Holzschrank scheinen wie gemacht für diesen Raum. Die Küche gleicht das vermeintlich Schwere mit vornehmem Weiss und einem Kronleuchter aus. Grosse Fenster erfüllen den Raum mit Helligkeit.
«Im Sommer ist diese Parterrewohnung perfekt», weiss Claudia Rietzschel. Ihre Nachbarn über ihr spüren die Hitze viel mehr. Rietzschels Wohnung liegt an einem beliebten Spazierweg. «Die neugierigen Blicke stören mich nicht. Erstaunt war ich aber schon, als ein Spaziergänger einfach eintrat, in der Meinung, es handle sich hier um ein Antiquitätengeschäft», schmunzelt Claudia Rietzschel. Die kurzen Wege in den Wald und die vielen Spaziermöglichkeiten nutzt sie selber täglich. Ihr Hund Buddy Max, ein Yorkshire-Terrier-Mischling, begleitet sie dabei stets.
Wenig zuverlässige Uhr
In Claudia Ritzschels Wohn- und Essbereich war früher das mit Wasserkraft betriebene Mühlwerk eingebaut. Dies ist im Buch «Mänsche und Gschichte vo Ruedistette-Friedlisberg» von Kurt Oggenfuss nachzulesen. Grossrat Robert Wiederkehr (1924 – 2005) hat dafür seine Aufzeichnungen zur Verfügung gestellt. Wiederkehr deutet auch auf den eingangs erwähnten Portalsturz. Der massive rechteckige Mauerbau mit gekehlten Fenstergewänden der Mühle ist ebenfalls in Band vier der «Kunstdenkmäler des Kantons Aargau» aufgeführt.
Seit vielen Jahren ziert eine Sonnenuhr die Ostfassade der Mühle. Die minutengenaue Zeit lässt sich wie bei anderen Sonnenuhren nicht ablesen. Zudem nimmt die Sonnenuhr keine Rücksicht auf Sommer- oder Winterzeit. Doch wer braucht schon eine ganz genaue Zeitangabe beim Anblick eines solch beeindruckenden Gebäudes?



