13 Tage für 6 Minuten
24.08.2018 KelleramtOberlunkhofen: Das Unternehmen Restclean AG nahm an einem Wettbewerb in China teil
Von weit über 200 Bewerbungen aus der ganzen Welt wurden 27 Unternehmen ins chinesische Hangzhou eingeladen, an einem Wettbewerb ihre Innovation vorzustellen. Eine von drei ...
Oberlunkhofen: Das Unternehmen Restclean AG nahm an einem Wettbewerb in China teil
Von weit über 200 Bewerbungen aus der ganzen Welt wurden 27 Unternehmen ins chinesische Hangzhou eingeladen, an einem Wettbewerb ihre Innovation vorzustellen. Eine von drei Schweizer Firmen war die Restclean AG aus Oberlunkhofen.
Roger Wetli
13 Jahre lang hatte Erfinder Priskus Theiler an einer neuen Lösung für die Entkalkung von Toiletten gearbeitet. 2012 stellte er den ersten Mitarbeiter an. Mittlerweile sind es 20. Jetzt durfte er zusammen mit Geschäftsführer Roger Mäder seine Innovation in China präsentieren. «Wir haben uns mehr aus Neugierde beworben», lacht Theiler. «Anfang Juli erhielten wir grünes Licht für die Reise.»
Fünfter Platz erreicht
So reisten die beiden Restclean-Leiter für 13 Tage in die 10-Millionen-Metropole Hangzhou. Mit dabei hatten sie eine sechsminütige Präsentation. Innert dieser Zeit galt es, die Geschäftsidee einer neunköpfigen Jury vorzustellen. Diese hatte anschliessend sechs Minuten Zeit, das Gezeigte zu bewerten. Die 27 eingeladenen Unternehmen wurden für das Halbfinale in die drei Gruppen Elektronik, Gesundheit und Umwelt eingeteilt. In Letzterem kämpften Theiler und Mäder gegen sieben weitere Innovationen. «Wir erreichten mit sieben Punkten den fünften Rang unserer Kategorie», blickt Priskus Theiler zurück und ergänzt stolz: «Bereits mit 7,23 Punkten hätten wir den Einzug in das Finale geschafft.» Dieses wurde ein paar Tage später im Fernsehen live übetragen, wobei die Restclean-Leute im Studio sassen.
Gewonnen hat mit der Horus-Technologie eine andere Firma aus der Schweiz. «Die Tessiner entwickeln tragbare Assistenten für blinde und sehbehinderte Menschen. Diese ermöglichen, Texte zu lesen und Objekte und Gesichter zu erkennen», weiss Priskus Theiler.
Trotz des fünften Platzes im Halbfinale bereut er die Reise nicht. «Bereits die Einladung ist ein Riesenerfolg für unser kleines Unternehmen», ist Theiler begeistert. «Zudem konnten wir viele Gespräche führen und haben in China eine ganz andere Wirtschaftsdimension kennengelernt.»
Dimensionen aufgezeigt
Oberlunkhofen: Die Restclean AG präsentierte ihre Idee in China
Der fünfte von acht Rängen erreichte die Restclean AG mit ihrer Präsentation der WC-Entkalkung bei einem Wettbewerb im Halbfinale im chinesischen Hangzhou. Für Patron und Erfinder Priskus Theiler stand von Anfang an nicht der Sieg im Vordergrund.
Roger Wetli
«Dass die Jury überhaupt ein WC-Unternehmen eingeladen hat, ist für uns bereits ein riesiger Erfolg», gibt Theiler begeistert zu Protokoll. Er hatte sich zusammen mit Geschäftsführer und Mitinhaber Roger Mäder für den Wettbewerb beworben. Dies, nachdem sie im April von der Fachhochschule Nordwestschweiz dafür angefragt wurden. 27 Unternehmen aus der ganzen Welt durften teilnehmen, davon drei aus der Schweiz. Den Entscheid erhielt das Unternehmen Anfang Juli. Bereits am 29. Juli flogen sie los. «Dieser Monat war enorm stressig. Denn neben der Flugbuchung klärten wir intensiv die Möglichkeit ab, Equipment nach China zu verfrachten», blickt Priskus Theiler zurück. «Schliesslich fanden wir heraus, dass dies in der kurzen Zeit gar nicht möglich ist – und das trotz Freihandelsabkommen.»
Film für die Jury gedreht
Also beschränkten sich Theiler und Mäder auf Give-aways wie Taschenmesser und Kugelschreiber. Mit dabei hatten sie eine sechsminütige Präsentation, die es einer neunköpfigen Jury vorzustellen galt. Diese beinhaltete auch Filmteile. «Wir haben das extra für die Jury in China gedreht», erklärt Theiler. Die Vorbereitung nahm vier volle Tage in Anspruch. Präsentieren wollten sie Restclean zu zweit.
Nach rund 24 Stunden Reisezeit kamen Priskus Theiler und Roger Mäder in China an. «Ab da gab es bis zur Abreise für alle Teilnehmenden ein gemeinsames Fulltime-Programm, bei dem sämtliche Kosten von den Veranstaltern übernommen wurden», so Theiler. Insgesamt waren es rund 50 Personen aus verschieden grossen Unternehmen. «Die Palette reichte von der Einperson-Firma bis zum Konzern», erinnert sich Theiler. Er schwärmt von Hangzhou. «Es ist eine von mehreren chinesischen Hightech-Zonen. Diese wurde auf die grüne Wiese gestellt und ist riesig.» Die Dimensionen seien extrem und kaum zu beschreiben. «Man muss es erlebt haben.»
Theiler war bereits zweimal vorher in China. «Die Zeit des Kopierens ist dort definitiv vorbei. Die Chinesen gehen jetzt Partnerschaften ein. Und dies in einer Geschwindigkeit, bei der einem schwindlig wird.» So seien die Hälfte der Stadtbusse der 10-Millionen-Metropole Hangzhou mittlerweile akkubetrieben. Bezahlt würde praktisch nur noch per Natel. Am Vorabend des eigentlichen Wettbewerbes gab es ein Dinner mit verschiedenen Vorträgen. «Der Höhepunkt war die Präsentation des technischen Leiters von Alibaba. Dieses Unternehmen ist in 240 Ländern aktiv.»
Sehr gute Rückmeldungen
Die 27 Wettbewerbsteilnehmer wurden in drei Kategorien eingeteilt. Wobei Restclean mit sieben weiteren Mitstreitern unter «Umwelt» auftrat. Sechs Minuten durften Priskus Theiler und Roger Mäder ihre Idee auf Englisch präsentieren. Danach vergab die Jury Punkte. Mit sieben Punkten erreichten sie den fünften Platz im Halbfinale. Das Finale mit neun Unternehmen gewann eine Tessiner Firma. «Wir haben sehr gute Rückmeldungen erhalten», erinnert sich Theiler. «Zumal wir immer wieder feststellen, das das Thema WC keines ist, das man gerne diskutiert.»
Chinese zu Besuch
Der Patron und Erfinder betont, dass sie keine Ambitionen auf den chinesischen Markt hätten. «Eine Partnerschaft ist für uns aber vorstellbar. Ebenso verhält es sich mit einer abgespeckten Variante unserer Dienstleistung als Lizenzvergabe.» China habe ihm auch geistig neue Dimensionen aufgezeigt. So wäre auch Japan ein spannender Markt. «Die Gespräche mit den anderen Teilnehmenden waren sehr wertvoll», weiss Theiler. «So haben wir vor Ort abgemacht, dass ein Chinese im September, nach seinem bereits vorher geplanten Besuch in Frankreich, auch bei uns vorbeikommen wird. Der Aufwand, für sechs Minuten 13 Tage zu investieren, hat sich definitiv gelohnt», fasst Theiler zusammen.



