Willensdurst ein wenig gestillt
15.06.2018 SchuleDie Schüler der Begabtenförderung in Muri präsentierten ihre Projekte
Sie heissen Gedankenkünstler, sind zwischen 10 und 13 Jahre alt und haben ein schier unermessliches Interesse. Eine Lochkamera entwickeln, ein Traumhaus aus Karton ...
Die Schüler der Begabtenförderung in Muri präsentierten ihre Projekte
Sie heissen Gedankenkünstler, sind zwischen 10 und 13 Jahre alt und haben ein schier unermessliches Interesse. Eine Lochkamera entwickeln, ein Traumhaus aus Karton bauen oder sich mit erneuerbaren Energien beschäftigen: In der Begabtenförderung sind keine Grenzen gesetzt – fast keine.
Annemarie Keusch
Technik interessiert sie. Und sie wollen sich, wenn sie älter sind, dafür einsetzen, dass es keine Atomkraftwerke mehr gibt, dafür erneuerbare Energien genutzt werden. Ob die Eltern sie darauf gebracht haben? «Nein, das war unsere eigene Idee», sagen Anouk Brühlmann und Wimol Son. Beide sind zwölf Jahre alt und beide sind Gedankenkünstler. Heisst, sie besuchen während zwei Lektionen pro Woche den Unterricht der Begabtenförderung.
Den dabei verpassten Unterricht holen sie selber nach. Und das Ganze ist freiwillig. «Es sind Kinder, die mehr machen wollen, als der Stundenplan ihnen vorgibt», sagt Anita Frank. Sie unterrichtet Werken an der Bezirksschule und seit fünf Jahren führt sie die Begabtenförderung. Im letzten Jahr waren es 16 Kinder, die diesen Unterricht besuchten, in je zwei Achtergruppen. 16 Primarschülerinnen und -schüler, die es zu fordern gilt. «Nein, sie fordern sich selbst. Und das ist gut so», meint Frank.
Ein eigenes Projekt verfolgen
Gefordert haben sich auch Anouk Brühlmann und Wimol Son. Ihr Ziel: selber Gefährte zu entwickeln, die mit Wind-, Solar- oder Wasserenergie angetrieben werden. Entstanden sind zwei Solarautos, ein Wasserkraftwerk, ein Solarflugzeug, ein Windgenerator und ein Solarballon. «Es war schon nicht immer einfach, vor allem die Verkabelung bei den Solarautos», sagt Wimol Son. Aber genau das sei das Gute an der Begabtenförderung. «Wir können uns in ein Thema vertiefen, das wir wählen. Frau Frank hilft uns, gibt aber nicht vor, wie wir es machen müssen», fügt Anouk Brühlmann an.
Das Gleiche schätzt Gian Hagmann am Unterricht. Er hat sich intensiv mit einem 3D-Pen beschäftigt und damit Skulpturen hergestellt. «Es ist wichtig, dass man genau arbeitet», sagt der 11-Jährige und berichtet, dass er sich Inspiration auch aus dem Internet geholt habe. «3D ist die Zukunft, darum wollte ich mich damit beschäftigen.» Selbstständig sein, ein eigenes Projekt verfolgen – das gefalle ihm bei der Begabtenförderung. Seien es Projekte rund um Magnetismus, Fotografie, Mikroskopie oder das Programmieren von Computerspielen – möglich ist vieles. «Nur für chemische Experimente sind wir nicht ausgerüstet», sagt Anita Frank.
Eher bremsen als motivieren
Michaela Schneider und Ayna Zurkic, beide elfjährig, haben sich mit ihrer Zukunft beschäftigt und ein Traumhaus praktisch nur aus Karton gebaut. Ein Fernsehzimmer, Strand, Meer, eine Disco, ein Ankleideraum – an nichts fehlt es. «Wir haben schon im Kindergarten von Traumhäusern geredet und dies jetzt in die Realität umgesetzt», sagen sie. Fast ein Jahr haben die Arbeiten gedauert. Schwierig sei es gewesen, die Statik zu berechnen, damit das Haus am Schluss nicht zusammenfällt.
Auf ganz andere Weise hat Georg Hemme-Unger seinen Willensdurst gestillt. Er hat mitmilfe einer App ein Computerspiel komplett selber entwickelt. «Ich mache das sehr gern, darum habe ich auch viel in meiner Freizeit daran gearbeitet», sagt der 12-Jährige. An der Begabtenförderung schätzt er, dass es eine kleine Gruppe ist und somit effizient gearbeitet werden kann. Das sagt auch Lehrerin Anita Frank. «Manchmal muss ich sie eher bremsen als motivieren.»



