Schätze ans Licht geholt
19.06.2018 MutschellenBerikon: Vier Privatleute gaben am Museumstag Einblick in ihre Sammlungen
Vier kleinere und grössere private Museen gibt es in Berikon. Dank des Kulturvereins konnten Interessierte am letzten Samstag die Sammlungen oder Teile davon ...
Berikon: Vier Privatleute gaben am Museumstag Einblick in ihre Sammlungen
Vier kleinere und grössere private Museen gibt es in Berikon. Dank des Kulturvereins konnten Interessierte am letzten Samstag die Sammlungen oder Teile davon besichtigen.
Erika Obrist
Berikon hat kein Dorfmuseum, wie andere Dörfer es kennen. Peter und Asella Wild aber schon. Im Obergeschoss des Gebäudes am Käsereiweglein – im Erdgeschoss sind Asylsuchende untergebracht – haben sie einen grossen Schatz an Gebrauchsgegenständen aus dem Alltag, Werkzeug aus Handwerk und Landwirtschaft aus früheren Tagen zusammengetragen.
Erinnerungen wurden wach
Wer die steile Holztreppe hochgegangen ist, der tritt ein in längst vergangene Zeiten. Die Gerätschaften haben Asella und Peter Wild nach Themen geordnet: Küche, Schule, Landwirtschaft, Schreinerei, Strohwaren, Schlafzimmer, Ladengeschäft. Wenn irgendwo ein altes Gebäude abgerissen werden soll, geht Wild hin und schaut, was ihm erhaltenswert scheint. Nimmt es mit und ordnet es in seine Sammlung ein. Seit Jahren.
Bei den Teilnehmenden am Museumstag weckten die Gegenstände Erinnerungen an die eigene Kindheit. Eifrig wurde untereinander diskutiert, welche Geräte und Gegenstände man kennt und welche nicht. Die vermeintliche Kommode im Schlafzimmer, die sich beim Öffnen als Plumpsklo entpuppte, hatte niemand je zuvor gesehen.
Kommt der Wolf?
Erst seit zwei Jahren hat Urs Hoppler an der Schulstrasse eine Sammlung von Tierpräparaten, Waffen und weiteren Jagdutensilien. Zu sehen sind bei ihm Präparate einheimischer Tiere. «Viele habe ich geschenkt erhalten», erzählte er. Andere Tiere hat er selber geschossen, einige wurden Opfer des Strassenverkehrs. Präparieren lässt er die Tiere bei Marion Soliva in Maienfeld.
Vor dem Eingang ins kleine Museum konnte man grosse Tiere bewundern, die im Innern keinen Platz haben: Hirsch, Luchs, Wildschwein, Wolf. Wird letzterer wieder heimisch werden in den Wäldern ringsum?
Zur Jagd gehören auch die Jagdhornbläser. Die Gruppe der Jagdgesellschaft Friedlisberg unterhielt die rund fünfzig Interessierten vor dem Eingang ins Tiermuseum vortrefflich.
Letzter Stempel vom Posten Berikon
Alles – oder zumindest sehr viel – rund um die Aargauer Polizei hat Markus Hüsser in den letzten 35 Jahren zusammengetragen. Der Beriker Ortsbürger ist seit neun Jahren im Aargauer Polizeidienst, doch die Polizei hat es ihm schon von klein auf angetan. «Mein Onkel war Polizist, der Mann meiner Kindergärtnerin ebenfalls», erzählte der 43-Jährige. Einen kleinen Teil seiner inzwischen umfangreichen Sammlung präsentierte Hüsser im Bürgisserhus. Kopfbedeckungen ab 1900, Uniformen aus verschiedenen Jahrzehnten, eine kleine Auswahl von Schweizer Polizeiabzeichen. «Ich habe davon rund 6500.»
In einer Vitrine zeigte er Gegenstände und Dokumente mit Bezug zu Berikon: das Schild vom Polizeiposten Mutschenllen, ein Mannschaftsbuch vom Bezirksposten, die Dienstwaffe des früheren Beriker Polizisten Walter Schmid, den letzten Stempel vom Posten Berikon, der 2008 geschlossen wurde, und ein Wanderbuch von 1855, den damaligen Pass.
Unglaubliche Präzision
Eine Auswahl seiner antiken Uhren, seiner analogen Messgeräte und Instrumente hatte Kurt Berger mit ins Bürgisserhus gebracht. «Technische Instrumente waren schon immer meine Leidenschaft», erzählte er. So konnte man eine Nachtwächteruhr bestaunen, die der Nachtwächter selber nicht verstellen konnte. Weshalb wohl? Vom Rechenschieber, den einige in der Schule noch gebraucht haben, nahm er die Interessierten zurück zum ersten Taschenrechner, der die Form einer Taschenuhr hat, bis hin zur Rechenwalze. Ein Morseapparat war zu bestaunen, eine alte Registrierkasse, diverse elektrische Messgeräte. «Ich sammle seit meiner Geburt», scherzte der gelernte Feinmechaniker und informierte, dass man bereits in den 1950er-Jahren Geräte hatte, die auf den Tausendstel Millimeter genau waren.
Wertvolles Kulturgut
«Mit dem Museumstag möchten wir zeigen, welche Schätze im Dorf vorhanden sind», sagte Max Welti von der Gruppe Dorfkultur bei der Begrüssung. Der Tag solle auch Wertschätzung sein für die vier privaten Sammler, die wertvolles Kulturgut hüten.
Zum Abschluss des Tages fanden sich alle vor dem Museum von Urs Hoppler an der Schulstrasse ein und genossen den feinen Zvieri, den die Ortsbürgergemeinde offeriert hatte.




