Die Freiheit kostet mehr
05.06.2018 EishockeyEishockey: Der HC Wohlen Freiamt bleibt eigenständig – und steht in Zukunft vor vielen Hürden
Nun herrscht Klarheit. Der HC Wohlen Freiamt hat sich an der GV entschieden, eigenständig zu bleiben und nicht mit den «Argovia ...
Eishockey: Der HC Wohlen Freiamt bleibt eigenständig – und steht in Zukunft vor vielen Hürden
Nun herrscht Klarheit. Der HC Wohlen Freiamt hat sich an der GV entschieden, eigenständig zu bleiben und nicht mit den «Argovia Stars» zusammenzuarbeiten. Aufgrund von massiv höheren Eiskosten im neuen Schüwo Park steht der Verein vor Herausforderungen. «Wir wollen das gemeinsam packen», sagt Präsident Daniel Melliger.
Stefan Sprenger
42 sagen «Ja» zu einem eigenständigen HC Wohlen Freiamt. 31 «Nein» – und wollten damit die Zusammenarbeit mit den «Argovia Stars» aus Aarau vertiefen. Sechs Mitglieder enthielten sich der Stimme. An der Generalversammlung des HC Wohlen Freiamt vor wenigen Tagen wurde dieser wichtige Entscheid nach monatelangen Diskussionen gefällt.
Eiskosten steigen von 46 000 auf 120 000 Franken
Die bevorstehende Saison 2018/19 wird noch mit den «Argovia Stars» zusammen organisiert und durchgeführt. Dies sei so geplant gewesen, «egal wie der Entscheid ausging», sagt Daniel Melliger, Präsident des HC Wohlen Freiamt.
Die GV des Wohler Hockeyvereins war keinesfalls alltäglich. Kurz vor dem Einzug in den neuen Schüwo Park, gab es einiges zu regeln. Vor allem finanziell ist das neue «Dach über dem Kopf» mit Mehraufwand verbunden. Auf der altehrwürdigen Wohler Kunsteisbahn kostete eine Stunde auf dem Eis 76 Franken. In der Saison 2017/18 hatte der Gesamtverein total 46 000 Franken an Eiskosten zu stemmen. Nun ändert dies massiv. Eine Stunde kostet neu 200 Franken. Man rechnet mit 120 000 Franken Eiskosten für die nächste Saison. Über das doppelte also. «Das ist eine grosse Herausforderung. Gemeinsam wollen wir das packen.» Auch die anderen Clubs, die im neuen Schüwo Park einziehen, haben Mehrkosten. Der HC Fischbach-Göslikon und der Eislaufclub Wohlen zum Beispiel. Dass die Kosten massiv steigen, weiss man schon länger – und der Schüwo Park hat sich bei der Gestaltung der Preise am Markt orientiert. Die alte «Kunschti» war einfach spottbillig – und nun müssen die Vereine umkrempeln. An der GV hat der HC Wohlen Entscheidungen gefällt, die bei der Finanzierung helfen – aber nicht allen passten.
Die Beiträge steigen massiv
Eishockey: GV des HC Wohlen Freiamt mit wichtigen Entscheiden
Der neue Schüwo Park ist für alle Eissport-Vereine ein Segen – finanziell aber mit Mehrkosten verbunden. Über das Doppelte an Eiskosten hat der HC Wohlen Freiamt zu leisten. Der Verein muss sich strecken und die Mitgliederbeiträge teilweise massiv erhöhen. Es ist nicht die einzige Massnahme, um die Eiskosten zu decken.
Stefan Sprenger
Es wurde nicht so hektisch wie prophezeit. Die GV der Wohler Eishockeyaner vergangene Woche verlief «nicht sonderlich hitzig», wie Präsident Daniel Melliger sagt. Die 77 anwesenden Mitglieder hatten aber wichtige Entscheide zu treffen. Aufgrund der höheren Kosten in der neuen Saison, im neuen Schüwo Park, wurden die Jahresbeiträge erhöht. Zwischen 100 und 220 Franken – je nach Team. Die 1. Mannschaft trifft es am heftigsten: Von rund 750 Franken im Jahr 2017 wird der Beitrag auf fast 1000 Franken gehen. Bei den Kleinsten bleibt es mit 400 Franken fast gleich. Der Vorschlag der Beitragserhöhung wurde mit 76 zu 1 angenommen. Auch der Pflichtbeitrag des Sponsorenlaufs (Skateathon) von 150 auf 250 Franken wurde mit 43 Ja zu 28 Nein-Stimmen angenommen. Melliger: «Somit hat jedes Mitglied die Möglichkeit, sich Sponsoren zu suchen oder die 250 Franken aus den eigenen Sack zu bezahlen. Die Mitglieder zeigen sich bereit, diese Kosten auf sich zu nehmen.» Das Budget wurde mit den Beitragserhöhungen einstimmig angenommen. Dazu Melligers Worte: «Der Verein ist gefordert, das Sponsoring anzukurbeln.»
Mehr im Dorf zeigen
Der Vorstand wurde wiedergewählt – und erweitert. Die bestehenden Kräfte wurden in ihren Ämtern bestätigt. Daniel Melliger (Präsident), Urs Vetter (Vizepräsident und Sportchef ), Martial Fisch (Aktuar) und Barbara Weltin (Kassierin). Die beiden Neuen heissen Rolf Waldner und Christian Sulser. Waldner ist Verantwortlicher für die Schiedsrichter des Vereins. Sulser, der langjährige Spieler der ersten Mannschaft, ist Beisitzer und Verantwortlicher Anlässe. «Durch vermehrte Aktivitäten in der Öffentlichkeit soll der Verein im Dorf und in der Umgebung, an Festen und Anlässen mehr Präsenz markieren, um so seinen Bekanntheitsgrad zu erhöhen», sagt Präsident Melliger. Der neue Event-Chef Christian Sulser ergänzt: «Ich helfe gerne mit. Wir wollen uns wieder mehr zeigen im Dorf. Und das ist eine sehr gute Sache.»
Der wichtigste Entscheid der GV war die Abstimmung über die Zusammenarbeit mit den Argovia Stars (ab der Saison 2019/20). Diese wurde mit 42:31 angenommen. Der HC Wohlen Freiamt wird eigenständig bleiben. «Wir können alles selber bestimmen, das ist sicher ein Vorteil», sagt der 50-jährige Melliger und fügt an: «Wir bleiben Wohlen.» Der Nachteil: Ob man in Zukunft alle Juniorenstufen abdecken kann, ist unklar.
«Finanziell werden schwierige Zeiten auf uns zukommen»
Nicht nur deswegen hatte der Entscheid nicht nur Freunde. «Es gab Leute, die nicht einverstanden waren, diese wechseln eventuell zu den Argovia Stars. Aber man kann es nicht allen recht machen», so Melliger. Der Verein könne nun beweisen, dass man der grossen Herausforderung gewachsen ist. Sportchef Urs Vetter sagt: «Die Eiskosten sind mehr als doppelt so hoch wie bisher. Da muss man Lösungen finden.»
Hier die Fakten: Auf der altehrwürdigen Kunsteisbahn kostete eine Stunde auf dem Eis 76 Franken. In der Saison 2017/18 hatte der Gesamtverein total 46 000 Franken an Eiskosten zu stemmen. Nun ändert dies massiv. Eine Stunde kostet neu 200 Franken. Man rechnet mit 120 000 Franken Eiskosten für die nächste Saison. Diese Preise sind marktüblich. Der Unterschied: In Wohlen fuhr man bislang günstig. Man bekam auch wenig für den Preis. Die alte «Kunschti» in Ehren, aber sie war schon länger alt. Dazu sagen Verwaltungsratspräsident Patrick Amstutz und Geschäftsführer Christian Meier von der Sportpark Bünzmatt AG: «Wir sind der Meinung, dass die Preise einer alten und maroden Kunsteisbahn nicht mit denjenigen einer brandneuen Eishalle verglichen werden können. Die Vereine und alle weiteren Nutzer erhalten eine topmoderne Anlage mit deutlich mehr Leistung: mehr und grössere Garderoben, neue Banden, neue Materialräume und vor allem ein Dach über dem Kopf sind ein paar Beispiele.»
Das langjährige Vereinsmitglied – und neue Vorstandsmitglied – Christian Sulser sagt: «Finanziell werden schwierige Zeiten auf uns zukommen. Wir werden sehen, was passiert.» Etwas Entschärfung der Situation ist absehbar. Weil man ab 2019/20 nicht mehr mit den Argovia Stars zusammenarbeitet, wird es weniger Teams geben. Das heisst weniger Eiszeit und weniger Kosten. In der Saison 2018/19 werden es 600 Stunden Eiszeit sein (Saison von Oktober bis März). 2019/20 werden es weniger sein, wie viel ist «schwierig abzuschätzen», so Melliger.
Anwältin um Rat gefragt
Der HC Wohlen Freiamt hat diese wichtige Generalversammlung gemeistert. Auch weil man sich im Vornherein mit einer Anwältin, die auf Vereinsrecht spezialisiert ist, abgesprochen hat. «Es muss ja alles passen», sagt Melliger.
Nun ist der Verein gefordert. Vor allem im Bereich des Sponsorings soll sich der Gesamtvorstand bemühen. Womöglich kommen die Verantwortlichen des Schüwo Parks oder der Gemeinde Wohlen entgegen – dies hoffen die Eishockeyaner. Dazu die Worte: «Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung der Sportpark Bünzmatt AG möchten auch erwähnen, dass der kostendeckende Preis für eine Stunde Eismiete mehr als das Doppelte des heutigen Eispreises beträgt. Wie in der Vergangenheit übernimmt somit die Allgemeinheit einen beträchtlichen Teil der Kosten», so Sportpark-Geschäftsführer Meier und VR-Präsident Amstutz.
Keine Überraschung, aber ein Problem
Eine Überraschung ist die massive Erhöhung der Eismiete auch nicht. Die Preise für die Eismiete der Vereine sind bereits im März 2014 in den Business-Plan für die Eishalle eingeflossen und wurden gegenüber den Vereinen offen kommuniziert. «Spätestens seit der positiven Volksabstimmung Ende September 2016 war klar, dass die Preise für die Eismiete auf dem heutigen Niveau sein werden», schreiben die Verantwortlichen des Schüwo Parks weiter. Es ist also keine Überraschung, könnte aber zum Problem werden. HC-Wohlen-Freiamt-Präsident Daniel Melliger sagt abschliessend: «Die Mitglieder freuen sich trotz höherer Kosten auf den Schüwo Park.»



