Bettwil feiert sich selbst
19.06.2018 BettwilBettwil feiert 1125 Jahre und sein Slogan bekommt einen zusätzlichen Wert
Der Slogan von Bettwil lautet: «top of argovia». Dieser gewollt zweideutige Slogan bezieht sich auf die Lebensqualität wie auch auf die Lage als ...
Bettwil feiert 1125 Jahre und sein Slogan bekommt einen zusätzlichen Wert
Der Slogan von Bettwil lautet: «top of argovia». Dieser gewollt zweideutige Slogan bezieht sich auf die Lebensqualität wie auch auf die Lage als höchstgelegene Aargauer Gemeinde. Dass sich die idyllische Landgemeinde und ihre Bevölkerung zu Recht «top of» nennen darf, bewiesen sie mit ihrer Jubiläumsfeier zu «1125 Jahre Bettwil» vom vergangenen Samstag.
Unter dem Motto «Bettwil stellt sich vor» wurde gefeiert, dass das Dorf vor 1125 Jahren erstmals erwähnt wurde. Aber vor allen darum, dass sich alle, Bevölkerung, Gewerbe, Vereine, Alteingesessene und Neuzuzüger, Gäste aus nah und fern, näher kennenlernen, sich austauschen, miteinander ins Gespräch kommen und einen ausserordentlichen Tag geniessen sollen.
Nach dem sehr gut besuchten ökumenischen Gottesdienst und seiner Begrüssungsansprache traf man unter den Aperitif-Gästen einen erfreuten und gelösten Gemeindeammann Peter Keusch. Gefragt nach der Herausforderung dieser Feier meinte er: «Die Kommunikation untereinander ist ein zentrales Element bei der Durchführung eines solchen Anlasses.» Nachdem ein öffentlicher Aufruf, den Anlass aktiv mitzugestalten, nicht die gewünschte Resonanz brachte, suchten die Verantwortlichen das persönliche Gespräch. «Die Bettwiler wollen persönlich angesprochen werden», so Peter Keusch. «Das Leben in einer Landgemeinde bedeutet, offen zu sein, sich stets neu zu begegnen und sich wenn nötig zusammenzuraufen». Worte, die schon die Festtagsschrift prägten und zum speziellen Anlass einluden.
Viele Highlights auf dem Programm
Das Tagesprogramm präsentierte ein buntes Mosaik mit vielen unterschiedlichen Elementen, die sich zu einem einzigartigen Bild zusammenfügten. Dies in einem eindrücklichen Rahmen, der nur ahnen liess, wie viel Aufwand und Zeit das OK investierte, um Freude, Geselligkeit, Information und Kommunikation in einem Anlass zu vereinen.
Mit ihrem musikalischen Auftakt begrüsste die örtliche Musikgesellschaft die Besucher. Ein köstliches gemeinsames Mittagessen in der Mehrzweckhalle brachte eine weitere Note – die kulinarische. Ein aussergewöhnlich gestalteter Pavillon zeugte mit Fotos von der Vergangenheit. In die Jahre gekommene Klassenfotos, aber auch Bilder vom emsigen Treiben im Dorf gab es zu bewundern und zu diskutieren.
Einen repräsentativen Teil des Mosaiks gestalteten zahlreiche ortsansässige Gewerbetreibende und Vereine mit einer Ausstellung: Aber auch die Schule wartete mit vielfältigen Inszenierungen auf. Einen der Aussteller darauf angesprochen, was denn der Unterschied dieser kleinen ländlichen Gewerbeausstellung zu einer Veranstaltung in einer grösseren Ortschaft ausmache, meinte dieser: «Man kennt sich untereinander. Wir sind hier zwar nicht mondän, dafür aber auch nicht anonym. Der persönliche Bezug mit- und zueinander ist extrem wichtig.»
Bummelte man durch die mit viel Liebe zum Detail gestalteten Einrichtungen, wurde die Leidenschaft für die eigenen Produkte und Dienstleistungen spürbar. So präsentierte die Bettwiler Landwirtschaft, zur grossen Freude der Kinder, zahlreiche lebende Tiere, aber auch Zahlen über die Entwicklung der Bauernbetriebe, der Ackerflächen und des Tierbestandes von 1975 bis 2018.
Was die Haltung von Bienenvölkern und deren aufwendigen Pflege bedeutet, erfuhren die Interessierten an einem anderen Schauplatz und erlebten die kleinen fleissigen Hauptakteure gleich live vor Ort. «Einen Tag nicht in der lebenswichtigen Freiheit geht in Ordnung für die Bienen», so der engagierte Imker. Statt selber auf Nektarsuche zu fliegen, erhielten die Insekten gegen den Durst Zuckerwasser. Im Schaukasten herrschte, wie auf dem Festgelände, emsiges Treiben.
«Globalisierung macht vor Bettwil nicht halt»
Freude und Stolz schwangen bei allen mit, die ihre Betriebe und Produkte präsentierten und der interessierten Bevölkerung Red und Antwort standen. Wer genauer hinhörte, bekam hie und da aber auch mit, dass es nicht immer einfach sei, zu bestehen und sich im immer enger werdenden Markt zu behaupten. «Die Welt bleibt nicht stehen», so ein Gewerbetreibender. «Globalisierung und Technik machen auch vor einem beschaulichen Ort wie Bettwil nicht halt: Im Gegenteil, sie zwingen alle Betriebe dazu, innovativ und einfallsreich zu bleiben.
Die Unter- und Mittelstufenschüler begeisterten dann mit ihren Vorführungen. Die Jüngeren zeigten Volkstänze, die älteren Schüler erwiesen sich als ausgezeichnete Schauspieler, mit grossem Hang zum Humor. Das Publikum freute es.
Nicht vergessen haben die Organisatoren ein wichtiges Bauprojekt. Während fast einer Stunde konnten sich Interessierte vor Ort ein persönliches Bild machen über den aktuellen Stand der Renovationen der katholischen Kirche St. Josef. Eine Attraktion jagte die andere und wer nach Abwechslung suchte, kam bei «1125 Jahre Bettwil» voll und ganz auf seine Kosten. Ob drinnen im Schulhaus oder draussen im Grünen, wo immer man sich aufhielt, man fühlte sich ausgesprochen wohl. Ganz schön unter Beweis stellen musste seine Sprinterqualität, wer «de schnellscht Bettwiler» werden wollte, und besonderes Geschick brauchten jene, die bewaffnet mit der Handspritze den Gewinn des Spritzwettkampfes der «Sprötzegruppe» Bettwil anstrebten.
Rückblickend haben alle gewonnen und einen grandiosen Anlass erlebt. Damit dieser auch in Erinnerung bleibt, wurde ein Bettwiler Kalender geschaffen mit über 40 bleibenden Fotos. --bma



