Zwei Herzen, ein Bingesser
04.05.2018 SportFussball, ChaL: Szenekenner und Journalist Felix Bingesser vor dem letzten Aargauer Derby (Montag, 20 Uhr, Niedermatten)
Zum letzten Mal Derby. Der FC Wohlen empfängt den FC Aarau. Die Freiämter wollen endlich den ersten Heimsieg gegen den grossen ...
Fussball, ChaL: Szenekenner und Journalist Felix Bingesser vor dem letzten Aargauer Derby (Montag, 20 Uhr, Niedermatten)
Zum letzten Mal Derby. Der FC Wohlen empfängt den FC Aarau. Die Freiämter wollen endlich den ersten Heimsieg gegen den grossen Bruder. Felix Bingesser, Sportchef des «Blick», kennt die beiden Vereine seit Jahrzehnten bestens. Er hofft auf Spektakel im Derby.
Stefan Sprenger
Niemand kennt die beiden Aargauer Fussballvereine besser als Felix Bingesser. Der Sportjournalist ist mit Wohlen und Aarau enorm verbunden. Bingesser spielte als kleiner Junge beim FC Wohlen, war später Trainer, Donator und half beim Vereinsmagazin «KickOff» oder dem Jubiläumsbuch tatkräftig mit. Schliesslich spielte er bei den Senioren des FC Wohlen.
Glorreiche FCA-Zeiten hautnah miterlebt
Mit dem FC Aarau ist er seit Mitte der 80er-Jahre verwachsen. Als Sportredaktor beim «Aargauer Tagblatt» begleitete er den Verein sehr eng. Er erlebte die «vermutlich schönste Zeit als Sportjournalist», sagt der Waltenschwiler heute. Der FC Aarau holte den Cupsieg (1985), wurde Schweizer Meister (1993) und spielte international. Grosse Figuren wie Othmar Hitzfeld, Erich Vogel oder Rolf Fringer prägten erst den FC Aarau und dann die ganze Fussballschweiz.
Nun – vor dem 20. und vorerst letzten Aargauer Derby – ist Wehmut dabei. «Der FC Wohlen verlässt nach fast zwei Jahrzehnten die Challenge League freiwillig. Das ist schade, sehr schade», so Bingesser. Die Kantonsderbys seien die emotionalen Höhepunkte der gesamten Challenge-League-Ära gewesen. «Es kam immer am meisten Stimmung auf. Und für einen Wohler gab es wohl nichts Schöneres, als den Grossen zu ärgern.» Geklappt hat das selten. Am 22. April 2017 holte der FC Wohlen den einzigen Sieg gegen Aarau (0:3). Zudem gab es fünf Unentschieden.
Um das Sportliche geht es aber am Montagabend nicht. «Es geht um die Ehre», sagt Bingesser, der auf viel Spektakel und viele Tore hofft. «Die Spieler sollten immer noch ehrgeizig sein, auch wenn die sportliche Bedeutung klein ist. Es ist und bleibt ein Derby.»
In der nächsten Saison spielt der FC Wohlen in der 1. Liga Promotion. Für den erfahrenen Sportjournalisten war es enorm wichtig, dass der FC Wohlen nicht in der Bedeutungslosigkeit der regionalen Ligen verschwindet. «Es ist für die gesamte Region wichtig, insbesondere für die Junioren. Der FC Wohlen muss attraktiv bleiben für Fussballer aus der Region.»
Stadionthema in Aarau: «Ein Trauerspiel»
Gleiches gilt auch für den FC Aarau. Wichtig in der Kantonshauptstadt ist das neue Stadion. Seit den 80er-Jahren – als Bingesser für das «Aarauer Tagblatt» schrieb – ist ein neues Heim für den FC Aarau ein Thema. Bis heute wurde es nicht realisiert. «Ein Trauerspiel», sagt Bingesser. Man sollte es endlich regeln und dann wäre für den FC Aarau auch der Weg offen für höhere Aufgaben. «Wenn Aarau erfolgreich spielt, dann kommen sofort einige Tausend Zuschauer mehr.»
Etwas, was in Wohlen nicht passiert ist – und auch nicht mehr passieren wird. Denn die Freiämter gehen eine Liga tiefer. Bingesser warnt, man dürfe die 1. Liga Promotion nicht unterschätzen. «Um dort eine Rolle zu spielen, braucht es eine Toptruppe. Die momentane Mannschaft wäre wohl nicht vorne mit dabei. Die neue Liga ist eine Chance und eine riesige Herausforderung, dessen muss man sich bewusst sein.» Über die neuen Führungskräfte beim FC Wohlen sagt Bingesser: «Man muss dankbar und froh sein um jede Person, die sich im Verein engagiert. Heutzutage gibt es zu viele Kritiker und zu wenige, die in die Verantwortung gehen. Deshalb muss man das extrem schätzen.» Sportlich und auch wirtschaftlich müsse man nun beweisen, zu was man in der Lage ist. «Ich hoffe einfach, dass der FC Wohlen nicht durchgereicht wird. Es gibt ja Vereine, die absteigen und denen genau dies passiert.»
Ob Challenge League oder 5. Liga – Felix Bingesser wäre sowieso an den Heimspielen des FC Wohlen dabei. «Der Wurststand ist für mich kein unwesentlicher Faktor», sagt er. In den Niedermatten trifft er alte Freunde während den Heimspielen. Es ist eine Begegnungsstätte und ein Erlebnis – und das wird immer so bleiben.



