Stadtführung der anderen Art
04.05.2018 Kultur«Löwenspur»: Bestnoten für die Maturaarbeit von Marina Locher und Elodie Rüppel
Das Freizeitvergnügen haben die zwei Maturandinnen für Kindergärtler und Primarschüler entwickelt. Mit mindestens einer ...
«Löwenspur»: Bestnoten für die Maturaarbeit von Marina Locher und Elodie Rüppel
Das Freizeitvergnügen haben die zwei Maturandinnen für Kindergärtler und Primarschüler entwickelt. Mit mindestens einer Begleitperson erkunden sie die Stadt auf der Suche nach Leo, dem Stadtlöwen.
Lis Glavas
Als mutige Detektive lösen die Kinder die Rätsel der zehn Posten und sammeln dabei Puzzlestücke, um den Aufenthaltsort des Stadtlöwen zu finden. Ein Stoffbeutel enthält alles Nötige dazu: Ein Ringheft mit Informationen, Postenbeschreibungen, Planskizzen, Rätseln, Hinweisen und Lösungen sowie zehn Puzzlestücke.
Die erwachsene Begleitperson übernimmt die Führung. Das Ringheft ist ihr Drehbuch. Mit diesem verfügt sie über Wissen, das sie geheimhalten muss. Sie übernimmt verschiedene Rollen während des Spiels. Beim Vorlesen der Postenbeschreibungen schlüpft sie in die Rollen der Postenfiguren. Sie unterstützt die Mitspielenden beim Lösen der Rätsel und verteilt die Puzzlestücke als Belohnung für die Auflösung der Rätsel.
Verhindern, dass Löwe Leo die Stadt verlässt
Spezialisten in Sachen Bremgarter Geschichte, acht Stadtführer und -führerinnen, waren aufgefordert, Elodie Rüppels und Marina Lochers Produkt auf Herz und Nieren zu prüfen. Der fröhlichen Truppe gehörten auch Christoph Müller und Giovanni Ming an, Vorstandsmitglieder von Bremgarten Tourismus. Der Verein nimmt die Löwensuche in sein Freizeitangebot auf. Erhältlich werden die Spielutensilien im Tourismusbüro bei der BDWM sein. Für rund 20 Franken, schätzt Christoph Müller, der Betrag soll die Kosten decken. Wenn möglich soll das Spiel ab den Sommerferien erhältlich sein. Je nachdem, wie viele Korrekturen die Erfinderinnen nach diesem Testlauf noch einbringen müssen.
Hin und her gehts in der Altstadt, rauf und runter. Die Kinder suchen die Turmspinne Sefia, finden die Lieblingsblume der Prinzessin, finden auch deren Krone, durchqueren einen Ehgraben, sollen erraten, was der lateinische Schriftzug in einem Fassadengemälde heisst. Sie suchen, raten, rechnen, bis sie auf der Holzbrücke ihre zehn Puzzleteile zusammensetzen und damit den Löwen gefunden und vom Verlassen der Stadt abgebracht haben.
Ein Beispiel soll die Ausgestaltung dieser reizvollen Maturaarbeit verdeutlichen. Beim Posten 3, dem Schlösschen, treffen die Kinder die Prinzessin Rosa Lilia. Die Begleitperson liest: «Ihr seid Detektive? Das ist ja super! Als ich gehört habe, dass unser Stadtlöwe verschwunden ist, habe ich vor lauter Schreck meine goldene Krone verloren. Jetzt traue ich mich nicht mehr aus dem Schlösschen. Findet meine Krone und zählt ihre goldenen Zacken. Ich helfe euch weiter, wenn ihr mir die richtige Anzahl der Zacken nennt.» Die richtige Antwort wird mit einem Puzzlestück belohnt. Die Prinzessin gibt eine Karte mit Löwentatzen mit auf den Weg. «Folgt den Tatzen und haltet Ausschau. Vielleicht hat der Löwe einen Hinweis hinterlassen.»
Stadtkenner sind begeistert
Viel hatten die Stadtführer nicht zu berichtigen. Die zur Auswahl stehenden Gründe für den Namen «Bremgarten» amüsierten sie allerdings. Ursprünglich habe das Städtchen wegen mehrerer Brände «Brenngarte» geheissen. Aus den zwei N sei ein M geworden. Grund 2, den die Autorinnen als richtig erklären, weist auf lästige Bremsen hin. Beide Theorien sind bekannt. Es gibt noch andere. Das mit den Bremsen hätten sie in ihrer Fachliteratur gelesen, wehrten sich die zwei jungen Frauen. Sie sollen das den Stadtführern zeigen. Denn als erwiesen haben die geschichtstreuen Stadtkenner noch keine Theorie erklärt.
Über ein Jahr haben die zwei Kantischülerinnen an diesem Projekt gearbeitet. Marina Locher befasste sich hauptsächlich mit dem wissenschaftlichen Teil. Dieser umfasst inklusive Anhang rund 100 Seiten. Elodie Rüppel war die Gestalterin des tollen Ringheftes und der weiteren Spielutensilien. Mit zwei Primarklassen machten sie Probedurchläufe
Begeisterung verbreitete sich in der Stadtführergruppe. Das Interesse für Bremgarten und die Idee der beiden jungen Frauen lobten sie. Die Tatsache auch, dass sie ein Spiel schufen, das ohne elektronische Mittel auskommt. «Super. Sensationell», so der Tenor. Nicht nur die Stadtführer verteilten Bestnoten. Elodie Rüppel und Marina Locher haben für ihre Maturaarbeit die Note 6 bekommen.




