Schlag mit Konsequenzen
04.05.2018 SportFussball: FC-Bremgarten-Sportchef Markus Groth begeht Tätlichkeit und tritt anschliessend zurück
Es sind Szenen, wie sie auf einem Fussballplatz nichts zu suchen haben. Nach dem 5:5 zwischen Bremgarten und Seengen kommt es zu Tumulten. Und ...
Fussball: FC-Bremgarten-Sportchef Markus Groth begeht Tätlichkeit und tritt anschliessend zurück
Es sind Szenen, wie sie auf einem Fussballplatz nichts zu suchen haben. Nach dem 5:5 zwischen Bremgarten und Seengen kommt es zu Tumulten. Und FC-Bremgarten-Sportchef Markus Groth brennen die Sicherungen durch. Er schlägt einen Seenger Spieler ins Gesicht. Die Szenerie ist auf Video festgehalten.
Stefan Sprenger
Eigentlich war das Ende dieses 3.-Liga-Fussballspiels schon hektisch genug. Seengen erzielt mit dem letzten Angriff das 5:5. Besonders: Der Torschütze ist der Torwart der Seenger. Was danach passiert, war dann weniger prickelnd: Es wurde aggressiv. Es gab Tumulte, Rudelbildungen – und es kam zu Handgreiflichkeiten. «Es dauerte sehr lange, bis sich die Situation wieder etwas beruhigt hatte, wir hoffen, dass wir in Zukunft solche Szenen auf dem Musterplatz nicht mehr zu sehen bekommen», schreibt der SC Seengen auf seiner Homepage.
SCS-Trainer Emilio Munera: «Ich bin geschockt»
Der absolute Tiefpunkt dieser Szenen: FC-Bremgarten-Sportchef Markus Groth geht auf einen Seenger Spieler los und schlägt ihm ins Gesicht. «Ich bin geschockt. Das gehört sich einfach nicht. Gewalt hat auf dem Fussballplatz nichts verloren», sagt Emilio Munera. Der frühere FC-Wohlen-Spieler ist heute Trainer des SC Seengen. Der Spieler, der von Groth angegangen wurde, heisst Joel Gautschi. Der 21-Jährige wurde bereits nach einer Viertelstunde ausgewechselt aufgrund von Leistenproblemen. Er schildert die Situation wie folgt: «Nach dem 5:5 haben wir alle gejubelt, dann gab es ein Gerangel. Alle waren da, die Stimmung war aggressiv. Plötzlich stand Bremgartens Sportchef vor mir und schlug mir ins Gesicht. Ob es mit der Faust war oder mit der offenen Hand, weiss ich nicht mehr.» Gautschi geht daraufhin zu Boden. Am nächsten Tag – am Sonntag – erhält er ein Telefon von Bremgartens Sportchef Markus Groth. «Er hat sich entschuldigt», sagt Gautschi.
Groth selbst bringt all seine FCB-Sachen am Sonntagmorgen vor die Tür von FCB-Präsident Chad Evans und gibt den Rücktritt. «Er hat im Nachhinein gesehen richtig gehandelt und hat sofort von sich aus den Rücktritt gegeben», sagt FC-Bremgarten-Präsident Evans, der am Spiel selbst nicht anwesend war und nun ad interim das Amt des Sportchefs übernimmt. Chad Evans ergänzt: «Er war im falschen Augenblick am falschen Ort, wir alle sind schockiert und bedauern das sehr.»
Groth selbst sagt: «Der Rücktritt ist das einzig Richtige in dieser Situation.» Er selbst schildert die Dinge so: «Es gab Tumulte. Schon vor und während dem Spiel wurde mehrfach provoziert. Nach dem Schlusspfiff lief ich davon und sah, dass auf dem Platz schon ein Gerangel im Gange war. Als ich auf den Platz lief, wollte ich nur schlichten, das war mein Fehler», so Groth. Weiter sagt er: «Wenn der eigene Sohn ins Gesicht getroffen wird, drückt das Vaterblut durch. Es war eine falsche Reaktion und ich habe mich bei Joel Gautschi auch telefonisch entschuldigt. Seitens der Seenger hätten sich aber mehrere Personen zu entschuldigen, da fehle aber offensichtlich das Rückgrat.»
Angesichts dieser Aussagen muss Emilio Munera, Trainer des SC Seengen, lachen: «Markus Groth hat einen unserer Spieler ins Gesicht geschlagen, es ist alles auf Video, der Schiedsrichter hat es rapportiert. Herr Groth hat sich bei unserem Spieler entschuldigt und danach versucht die Schuld auf andere abzuschieben. Es ist eine Entschuldigung, die keine ist. Und nun will er, das wir uns entschuldigen? Dass Markus Groth diese Tat jetzt verharmlost, ist ein Skandal.»
Video ist beim AFV – Verfahren ist am Laufen
Während die Seenger von einem Schlag sprechen, sagt Groth es sei «ein Schubs mit dem Handballen» gewesen. Schlag oder Schubser – was es genau war und wie die Strafe aussieht, entscheidet nun zuerst der Aargauische Fussballverband (AFV), der im Besitz des Videos ist. Der AFV sagt auf Anfrage, dass man keine Stellung zum Vorfall beziehe, da es ein laufendes Verfahren sei. Seit Kurzem hat der FC Seengen eine fest installierte Kamera während den Heimspielen. Und der AFV darf Videomaterial als «Beweismittel» zulassen und in die Beurteilung miteinbeziehen.
«Weiss nicht, ob ich ihn anzeige»
Eventuell könnte der Fall auch weitere Konsequenzen haben. Ob Markus Groth angezeigt wird, hängt in erster Linie von Seengen-Spieler Joel Gautschi ab. Dieser sagt: «Ich weiss noch nicht, ob ich ihn anzeige.» Der Student, der angesichts des Vorgefallenen «schockiert» war, möchte eigentlich am liebsten die Zeit zurückdrehen. Dies möchte Groth auch. «In drei Jahrzehnten Fussball ist mir so etwas nie passiert. Es ist ein Riesen-Seich. Es tut mir leid.»

