Wissen und Erfahrung teilen
27.04.2018 Oberwil-LieliOberwil-Lieli: Judith Zanini und Andreas Staubli Zanini sind für Interteam in Tansania tätig
Menschen vor Ort unterstützen und ausbilden: Dieser Philosophie leben die Pädagogin Judith Zanini und der Elektroingenieur Andreas Staubli Zanini seit drei ...
Oberwil-Lieli: Judith Zanini und Andreas Staubli Zanini sind für Interteam in Tansania tätig
Menschen vor Ort unterstützen und ausbilden: Dieser Philosophie leben die Pädagogin Judith Zanini und der Elektroingenieur Andreas Staubli Zanini seit drei Jahren nach. Ende Juni endet ihr Einsatz in Afrika.
Erika Obrist
Was bringt ein Paar in Oberwil-Lieli dazu, Beruf und gesicherte Existenz aufzugeben und während fast dreieinhalb Jahren für das Hilfswerk Interteam in Tansania tätig zu sein? «Wir sind in früheren Jahren sehr viel gereist und haben dadurch andere Länder und Kulturen kennengelernt», antworten Judith Zanini und Andreas Staubli Zanini. «Der Wunsch, für längere Zeit im Ausland zu leben und zu arbeiten, war schon länger ein Thema bei uns.» Auch seien sie beruflich an einem Punkt angelangt, der nach einer Veränderung, nach einer neuen Herausforderung verlangt habe. Wichtig sei ihnen gewesen, dass beide im Ausland einer Arbeit nachgehen können.
Auf ihrer Suche nach Veränderung sind die beiden auf den Verein Interteam gestossen. «Uns hat die Philosophie des Vereins bezüglich Entwicklungszusammenarbeit überzeugt.»
Der Ansatz, Wissen zu teilen und Leute vor Ort zu unterstützen und auszubilden, habe ihnen zugesagt.
Judith Zanini, 1968 geboren, ist Lehrerin und Erwachsenenbildnerin. Sie hat sich, neben dem Unterrichten an Primarschulen, in der Leseförderung und Leseanimation für Schulen, Bibliotheken, Kindertagesstätten und andere Einrichtungen und Institutionen betätigt. Andreas Staubli Zanini, geboren 1967, ist Elektroingenieur. Er arbeitete in den letzten Jahren als Projektmanager bei den Verkehrsbetrieben der Stadt Zürich (VBZ).
Kinder sollen dereinst selbstständig leben können
Vorbereitet auf ihren Auslandeinsatz wurden sie in einem vierwöchigen Kurs in Luzern. Es folgten ein sechswöchiger Sprachkurs in Swahili und eine Einführungswoche in Tansania. Seit März 2015 arbeiten sie nun in Mwanza, einer Stadt im Norden Tansanias. Die Region Mwanza liegt am Viktoriasee.
Judith Zanini arbeitet an einer Schule für behinderte Kinder in Mwanza. «Es ist eine Tagesschule mit derzeit knapp siebzig Kindern.» 14 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten hier. Nur sechs haben eine Ausbildung, zwei davon eine Zusatzausbildung für hörbehinderte Kinder. Ziel der Schule ist es, behinderten Kindern Zugang zu Bildung und Unterricht zu ermöglichen. «Die Schülerinnen und Schüler sollen so weit gefördert werden, dass sie dereinst möglichst eigenständig und ihren Möglichkeiten entsprechend selbstständig leben können», zeigt Judith Zanini auf. Die Schule sei einzigartig in der Stadt, da die Kinder in kleinen Gruppen unterrichtet werden. Die Schule ist eine lokale Nichtregierungsorganisation (NGO) mit einem Elternrat. Die Leitung hat ein Direktor inne. «Ich bin die einzige Ausländerin an der Schule, alle anderen Teammitglieder sind von Mwanza.»
Judith Zaninis Aufgabe ist die Verbesserung der Unterrichtsqualität. Zu Beginn ihres Einsatzes habe sie zusammen mit dem Team ihre Tätigkeitsfelder definiert. Das sei wichtig, «denn Veränderungen können nur vorgenommen werden, wenn die Leute vor Ort dies auch wollen».
Geduld und Verständnis brauchts von beiden Seiten
Sie unterstützt nun das Management bei der Schulentwicklung, bei Administration und Organisation. Weiter ist sie zuständig für die Weiterbildung im Team und fürs Coaching einzelner Lehrerinnen und Lehrer bezüglich Unterrichtsplanung und Förderung einzelner Kinder. Sie arbeitet auch selber mit einzelnen Kindern oder Kleingruppen; daran schliesst sich jeweils ein Fachaustausch mit Lehrerinnen und Lehrern an. Ebenfalls stellt sie einfache Hilfsmittel für den Unterricht her und sie gibt ihr Wissen über Unterrichtsmethoden, Unterrichtsplanung und über die Gestaltung von Lektionen weiter. Das Verbessern des Sportunterrichts durch den Einbau von neuen Spielund Sportideen gehört ebenfalls zu ihrem grossen Tätigkeitsgebiet. «Ich brauchte einige Zeit, mich an den tansanischen Schulalltag und das hiesige Verständnis von Unterricht zu gewöhnen», gesteht sie. Auch die Sprachbarriere sei eine Herausforderung gewesen, da kaum jemand Englisch spreche. Bei der Umsetzung ihrer Anregungen und Ideen brauche es Geduld und Verständnis. «Von beiden Seiten.»
Geduld und Verständnis von beiden Seiten braucht es auch bei der Tätigkeit von Andreas Staubli Zanini. Der Ingenieur arbeitet in zwei Spitälern in der technischen Abteilung. «Das Ziel meiner Arbeit in beiden Spitälern ist es, eine bessere Verfügbarkeit der Medizingeräte zu gewährleisten sowie den Service der technischen Abteilung generell zu verbessern.»
Schwerpunkte mit dem Team abgesprochen
Auch er hat die Schwerpunkte seiner Tätigkeit mit dem Team abgesprochen, damit es für alle stimmt. Zu seinem Tätigkeitsgebiet gehört das Erstellen und Pflegen eines Inventars für alle medizinischen Geräte, das Einführen eines geregelten Ablaufs inklusive guter Dokumentation bei Reparaturen und das Einführen von geplanten Wartungen an den Medizingeräten samt Dokumentation. Weiter begleitet und unterstützt er den neuen Leiter der technischen Abteilung eines Spitals.
Das Spital in Mwanza hat rund tausend Betten und ist das zweitgrösste in Tansania. Angegliedert ist dem Spital eine Universität, in der Ärzte und Pflegepersonal ausgebildet werden. Das kleinere Regionalspital in Senegerema, rund 30 Kilometer ausserhalb von Mwanza, hat an die 300 Betten. Hier werden pro Jahr rund zehntausend Kinder geboren. Auch Operationen werden hier durchgeführt. «Bei schwerwiegenden Fällen und bei komplizierten Operationen werden die Patienten nach Mwanza überführt», sagt Andreas Staubli Zanini.
Werkstatt für Techniker eingerichtet
Abläufe, die in der Schweiz selbstverständlich seien, funktionierten in Tansania vielfach nicht. «Die grössten Schwierigkeiten an beiden Spitälern bestanden jedoch darin, dass für die Techniker kaum Werkzeuge vorhanden sind und dass keine adäquaten Werkstätten existieren.» Zudem fehlten Ersatzteile – weil solche in Tansania entweder nicht vorhanden sind oder weil schlichtweg das Geld fehlt, sie zu beschaffen. «Somit fehlt den Arbeitern oft das Notwendigste, damit sie überhaupt arbeiten können.» Andreas Staubli Zanini hat daher vor allem im kleineren Regionalspital mitgeholfen, eine Werkstatt einzurichten und die allernötigsten Werkzeuge zu beschaffen, damit dringende Reparaturen ausgeführt werden können.
Weitere Informationen unter www.interteam.ch.
Kinderarmut bekämpfen
Der Verein Interteam mit Sitz in Luzern verfolgt eine langfristige Strategie der Armutsbekämpfung von Kindern und Jugendlichen in ausgewählten Ländern in Afrika sowie in Mittel- und Südamerika. Der Fokus ist dabei auf einen verbesserten Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen, zu höheren Bildungsangeboten, gesunder Ernährung und weniger Gewalt gerichtet.
Fachleute in mehrjährigem Einsatz
Der Verein Interteam vermittelt Fachleute aus der Schweiz sowie lokale Spezialisten an Partnerorganisationen vor Ort. Die Fachleute tauschen während mehreren Jahren ihr Wissen, ihre Fertigkeiten und Erfahrungen mit lokalem Personal in ausgewählten zivilgesellschaftlichen und kirchlichen Organisationen sowie staatlichen Institutionen und Behörden aus. Dieser Austausch kann beispielsweise mittels Aus- und Weiterbildungen oder Organisationsentwicklung erfolgen. Interteam-Fachleute verbessern so massgeblich die Leistungen dieser Organisationen, beispielsweise eines Spitals oder einer Schule, und wirken direkt oder indirekt auf von Armut betroffene Kinder und Jugendliche ein. Zudem unterstützt der Verein ausgewählte Projekte seiner Partner finanziell.
Mit dem Zewo-Gütesiegel versehen
Der Verein Interteam finanziert sich über öffentliche, private und kirchliche Gelder. Er ist einer von rund dreissig institutionellen Partnern der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Er ist Zewo-zertifiziert.
In Tansania richtet Interteam den Fokus auf Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen. Auch sie sollen einen guten Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen und Bildungsangeboten haben. --red



