Fussball: FC-Wohlen-Neuzugang Dragiša Gudelj im Fokus

Fr, 04. Aug. 2017

Dragiša Gudelj wechselte von Ajax Amsterdam II zum FC Wohlen. Ein Talent aus der berühmten Akademie im kleinen Freiamt. Wie kam es dazu? Mehr in der Ausgabe von Donnerstag, 3. August, oder online.

«Ich mag die Ruhe in Wohlen»

Die Fussball-Akademie von Ajax Amsterdam ist eine der berühmtesten der Welt. Zahlreiche Talente gingen aus ihr hervor. Die Liste der bekannten Namen im Weltfussball, die in Amsterdam ausgebildet wurden, ist lang. Dragiša Gudelj gehört zu den Spielern, die die Ajax-Akademie durchlaufen haben. Jetzt spielt er beim FC Wohlen. Wie kommt das?

«Ajax hat viele talentierte Spieler», sagt der 19-jährige Gudelj. «Jeder Trainer bevorzugt einen anderen Spielertyp. In Amsterdam konnte ich nicht in der 1. Mannschaft spielen.» Gudelj wusste, dass die Schweizer Ligen – sowohl Super wie auch Challenge League – den Ruf von Ausbildungsligen haben. «Ich bin noch jung», so der serbisch-niederländische Doppelbürger. «Mein Ziel ist es, zu spielen und mich fussballerisch weiterzuentwickeln. Diese Chance habe ich in Wohlen.» Er sieht dabei den Wechsel nicht nur in Bezug auf seine fussballerische Entwicklung positiv. «Ich bin alleine hier und habe die Möglichkeit, selbstständiger und reifer zu werden.»

Die Gudeljs:
eine Fussballerfamilie

Gudelj stammt aus einer Fussballerfamilie. Vater Nebojsa war Nationalspieler im ehemaligen Jugoslawien, spielte für den serbischen Topverein Partizan Belgrad sowie in den höchsten Ligen in Spanien und den Niederlanden. Aktuell arbeitet er als Scout für Ajax. Bruder Nemanja ist aktuell serbischer Nationalspieler. Er spielte in den Niederlanden für die ersten Mannschaften von NAC Breda, AZ Alkmaar und Ajax Amsterdam und wechselte im Januar nach China zu Tianjin Teda. «Mein Vater und mein Bruder sind meine grossen Vorbilder», so Gudelj. Diese haben den Sprung auf die grosse Fussballbühne geschafft. Er hat regelmässig Kontakt mit beiden. «Sie geben mir wertvolle Tipps. Ich lerne viel von ihnen», erklärt Gudelj. Herrscht ein gewisser Erwartungsdruck, wenn man aus einer solchen Familie kommt? «Ja, aber ich empfinde es nicht als Druck», erklärt der Wohler Neuzugang. «Die Leute erwarten mehr von dir, wenn sie wissen, wer dein Vater und dein Bruder sind. Doch auch ohne bekannte Fussballer in der Verwandtschaft muss man immer 100 Prozent Leistung geben. Wenn ich nicht gut spiele, ist es egal, mit wem ich verwandt bin.»

Müsste Gudelj ein Vorbild nennen, das nicht mit ihm verwandt ist, wäre es Sergio Ramos von Real Madrid. Der Spanier ist wie Gudelj Abwehrspieler. Real Madrid ist sein Lieblingsverein. «Es wäre ein Traum, dort zu spielen. In Europa gibt es aber viele gute Clubs. Beispielsweise Chelsea oder Arsenal.» Wie sein Vater und sein Bruder möchte auch Dragiša Gudelj eines Tages bei einem grossen Verein spielen. Von der U15 bis zur U21 spielte er bereits für die serbische Nationalmannschaft. «Auch wenn ich in den Niederlanden geboren bin, fühle ich mich als Serbe. Ich träume davon, eines Tages für die A-Nationalmannschaft aufzulaufen», sagt Gudelj und ergänzt: «Ich habe grossen Respekt vor den Niederlanden und bin stolz, dass ich den holländischen Pass habe. Ich würde nicht ausschliessen, für die Niederlande zu spielen, wenn sich die Gelegenheit ergeben würde.» Auch wenn das bedeuten würde, dass er eines Tages gegen seinen Bruder spielen muss? Gudelj: «Fussball ist ein seltsames Geschäft. Man weiss nie, was passieren kann.»

Challenge League statt
Champions League

Die Gegenwart lautet FC Wohlen. Gudelj ist zufrieden mit seinem neuen Arbeitgeber. «Ich wurde gut aufgenommen und in die Mannschaft integriert», erzählt er. «Der Schweizer Fussball ist sehr physisch. In den Niederlanden ist er technischer und spielerischer. Ich gehe hart in die Zweikämpfe. Das passt zum Stil hier. Ich bin froh, dass ich eine andere Form des Fussballs kennenlernen darf.» Der 19-Jährige erscheint wissensdurstig. «Ich möchte Deutsch lernen», sagt er. Gudelj spricht fliessend Serbisch, Niederländisch, Englisch und Spanisch. «Deutsch ist eine Weltsprache und mit dem Niederländischen verwandt. Es würde gut dazu passen.» Beim Wechsel zum FC Wohlen kam Gudelj entgegen, dass zahlreiche Spieler des Vereins Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien haben. «Auf dem Platz verständige ich mich auf Serbisch und Englisch. Das funktioniert gut.»

Begeistert ist Gudelj von Captain Alain Schultz. «In seinem Alter könnte man erwarten, dass er an das Karriereende denkt. Stattdessen gibt er in jedem Spiel alles. Von ihm können wir jungen Spieler sehr viel lernen.» Starallüren zeigt Gudelj keine. «Wohlen hat eine gute Infrastruktur. Wir haben einen guten Platz und einen Kraftraum.» Den Vergleich mit Ajax findet er sinnlos. «Verglichen mit Ajax erscheinen viele Vereine klein. Der Club hat mehr Geld als Wohlen und kann dementsprechend mehr investieren», so Gudelj. «In Amsterdam wird ab der U11 jeder Spieler intensiv betreut und es wird geschaut, dass man ihn zum Profi entwickeln kann. Trotzdem reichen ein Ball, ein Feld und Spielzeit, um Fortschritte zu erzielen.»

Das möchte Gudelj in Wohlen. Auf und neben dem Platz. «Wenige Männer gehen mit 19 Jahren in ein anderes Land, um dort zu leben», so Gudelj. «Es tut mir gut, auf mich allein gestellt zu sein.» Dabei kommt ihm entgegen, dass Wohlen verglichen mit Amsterdam klein ist. «Alles ist in der Nähe. Der Fussballplatz, Einkaufsmöglichkeiten oder Restaurants.» Gudelj betont: «Wir haben viele Spiele und benötigen Regenerationszeit. Ich mag die Ruhe in Wohlen. Das hilft mir dabei.»

Josip Lasic

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