Ex-Nati-Spielerin Sheila Loosli beim FC Bremgarten

So, 05. Nov. 2017

Sheila Loosli ist die einzige Frau und ehemalige Nationalspielerin, die im Kanton Aargau in der Kategorie Senioren 40+ spielt.

Sympathische Exotin

Die Senioren 40+ des FC Bremgarten empfangen das Team Aargau Mitte. Bei den Senioren der Reussstädter spielt eine Frau. Nicht irgendjemand. Es handelt sich um Sheila Loosli. Die ehemalige Nationalspielerin ist seit
sechs Jahren Teil der Mannschaft. Wie kam es dazu?

Länderspiele und Champions League
«Vor meinem ersten Training mit der Mannschaft hat mir der Trainer mitgeteilt, dass ich rausgehen darf, wenn ich nicht mehr rennen kann.» Sie ergänzt schmunzelnd: «Ich glaube, er wusste nicht genau, was ihn erwartet.
Nach dem zweiten Training wollte er aber gleich eine Spielerlizenz für mich bestellen.» Eine Anekdote, die zeigt, wie ungewohnt der Anblick einer Frau in einer Senioren-Männermannschaft war.
Loosli wurde von den Männern schnell gut aufgenommen. Exotisch ist sie mittlerweile nicht, weil sie eine Frau ist, sondern weil kein Spieler der Liga vergleichbare Erfahrungen vorweisen kann. Länderspiele in Schweden vor 20 000 Zuschauern, Champions-League-Partien in Portugal oder Weissrussland, Schweizer Meisterin und  Cupsiegerin. Loosli war sehr erfolgreich.
«In der Anfangsphase war es für die Mannschaft vermutlich seltsam, mit mir zu trainieren. Das Team hat mich aber perfekt aufgenommen.» Jörg Weiss, ehemaliger Präsident des FC Muri, spielt seit drei Jahren ebenfalls bei den Senioren 40+ des FC Bremgarten. Er bestätigt Looslis Aussagen: «Im Training überlegst du nicht, ob dir eine Frau oder ein Mann gegenübersteht. Ich habe schon oft den Körper stärker eingesetzt und erst im Nachhinein gemerkt, dass der Gegenspieler Sheila war. Im ersten Moment fragt man sich, ob man zu weit gegangen ist. Sie hat damit allerdings kein Problem.» Weiss ergänzt: «Sie ist ausserdem eine sehr gute Fussballerin. In vielen Bereichen können wir anderen uns eine Scheibe von ihr abschneiden. Besonders konditionell.»

Mit elf Jahren in Frauenmannschaft
Eine Frau in einer Männermannschaft wirkt unkonventionell. Für Sheila Loosli nichts Neues. Sie war elf Jahre alt, als sie mit dem Fussballspielen anfing. Zu einer Zeit, als Frauenfussball weniger verbreitet was als heutzutage. «In meiner gesamten Verwandtschaft spielt niemand Fussball. Wir wissen bis heute nicht genau, wieso ich angefangen habe. Offenbar hat mich der Ball schon als kleines Mädchen fasziniert.» Juniorinnenteams gab es damals keine. Loosli musste mit elf Jahren schon gegen erwachsene Frauen spielen. «Mir kam meine Schnelligkeit zugute», sagt sie. Mit 27 gab sie ihr Debüt in der Nationalmannschaft. Vergleichsweise spät. Dennoch konnte sie sich durchsetzen und kam auf 19 Länderspiele.
Auch beruflich landete die 46-Jährige in einer vermeintlichen Männerdomäne. Sie ist Polizistin. «Auch das war in mir drin, seit ich ein kleines Mädchen war. Ich weiss nicht, wieso ich Polizistin werden wollte, aber es ist mein Traumberuf.» Zwei vermeintliche Männerdomänen, in denen sie sich behauptet hat. Als Durchsetzen hat sie weder ihre Arbeit noch ihren Sport jemals empfunden. «Unter Jungs musst du der Kumpeltyp sein und nicht glauben, dass du eine Extrawurst hast, weil du eine Frau bist. Dann funktioniert es.»

Andere Prioritäten – immer Fussball
In ihrer aktiven Zeit spielte Loosli meist in Teams aus dem Kanton Zürich. Ins Freiamt zog sie aus familiären Gründen. Zu den Senioren des FC Bremgarten über den Vater einer Juniorin, die mit einer ihrer Töchter zusammen spielte. Eine Frauenmannschaft in tieferen Ligen kam für sie nicht infrage. «Aktive Spielerinnen sind im Alter meiner Töchter. Sie stehen an ganz anderen Punkten im Leben. Bei den Senioren ist das anders.» Beide Töchter haben Fussball gespielt, ebenso Looslis Ex-Ehemann. Die Familie stand immer hinter ihr. Sheila Loosli gibt es ohne Fussball nicht. Obwohl sie in ihrer Karriere mehr Erfolge feiern konnte als ihre Teamkollegen, ist Loosli bescheiden geblieben. «Bei den Männern konnte ich nicht mehr von meiner Schnelligkeit profitieren. Also habe ich mein Spiel angepasst und dazugelernt.» In der Mannschaft geniesst sie vollen Respekt. Jörg Weiss: «Wir haben im Team einige Persönlichkeiten, die das Spiel an sich reissen können. Dazu gehört Sheila.»
Die Frage stellt sich, wie lange Loosli noch spielen wird. «Solange ich gesund bin und mich fit fühle, spiele ich weiter.» Ihre Prioritäten sind mittlerweile andere geworden. «Früher habe ich zwei Tore pro Spiel geschossen. Jetzt bin ich froh, wenn mir zwei Treffer in einer Saison gelingen.»

Josip Lasic

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