Handball: Flavio Galliker vor Derby

Fr, 17. Mär. 2017

Drei Derbys konnte Wohlen in dieser Saison für sich entscheiden. Das vierte steht vor der Tür. Für Wohlens Flavio Galliker ist jede Partie gegen Muri ein besonderes Spiel. Der Murianer spielt gegen seinen Stammverein.

Gegen die alte Heimat

Kann ein Derby zu einem noch spezielleren Spiel werden, als es bereits ist? Im Fall von Flavio Galliker lautet die Antwort ja. Der 25-jährige Murianer ist im Klosterdorf aufgewachsen, lebt immer noch dort und hat dort seine ersten Schritte im Handball getan. Morgen Samstag trifft er im Trikot von Handball Wohlen auf seine alten Kameraden.

«Kämpferherz» und «ein wahrer Freund»
Trotz der Rivalität der beiden Vereine wird Galliker in Muri respektiert und in Wohlen sehr gemocht. Handball-Wohlen-Präsident Martin Laubacher sagt über Galliker: «Er hat ein Kämpferherz, ist stets top motiviert und körperlich sehr fit.» Auch seine Mitspieler können nur Positives über den Rückraumspieler sagen. Goalie Sascha Rudi: «Er ist sehr humorvoll und ein Partyhengst. Ein cooler Typ. Auf dem Feld spielt er defensiv stark und ist offensiv sehr durchsetzungsfähig.» Captain Manuel Frey ergänzt: «Er ist ein sympathischer, toller und sehr loyaler Typ. Ein wahrer Freund, sowohl auf als auch neben dem Feld.»

Gareth Bale – so etwas wie ein Vorbild
Dabei ist Galliker eher ein untypischer Handballer. Der Jurastudent gibt an, Handball in erster Linie während den Welt- und Europameisterschaften sowie den Olympischen Spielen zu verfolgen. Lieblingsteams? Sportliche Vorbilder? Ja, aber ebenfalls nicht aus dem Handball. «Ich gehe, sofern es der Spielplan zulässt gern an die Spiele des EHC Kloten.» Daneben schaut er sich gerne Spiele von Manchester United an. Der Fussballer Gareth Bale von Real Madrid und der Eishockeyspieler Jewgeni Malkin von den Pittsburgh Penguins sind die Sportler, die bei ihm den grössten Eindruck hinterlassen.
«Ich spiele sehr gern Handball, aber es ist nicht mein einziger Lebensinhalt. Ich habe viele Interessen», sagt Galliker. Neben seinem Studium – Galliker will Anwalt werden – arbeitet der Freiämter in einem
Treuhandbüro. Studiert, arbeitet oder trainiert er nicht gerade, versucht er, seine Kollegen und seine Familie zu sehen.
Er hat drei ältere Schwestern, «die ich gern besuche, ich gehe oft ins Fitnesscenter, muss viel lernen. Daneben bleibt nicht viel Freizeit übrig», so Galliker. Ist das ein Grund, wieso er momentan Single ist? «Für eine Partnerin findet man Zeit», sagt Galliker lächelnd.
Dennoch will er den Handballsport auf keinen Fall missen. «Es ist nicht nur ein Sport für mich, sondern ein Hobby und ein guter Ausgleich zu Studium und Job.» Galliker erklärt, wieso ihn Rudi als Partyhengst bezeichnet. «Wenn die Mannschaft gemeinsam weggeht, bin ich auch dabei. Wir haben einen super Teamgeist, verstehen uns neben dem Feld sehr gut. Meine Teamkameraden aus Wohlen sind Freunde fürs Leben.»
Seinen Wechsel zu Wohlen hat Galliker nie bereut. «Als ich frisch dabei war, sind wir abgestiegen. Dennoch war es für mich immer die richtige Entscheidung. Ich habe es nie bereut.» Im Nachwuchs spielte er zunächst bei Muri, dann in einer Spielgemeinschaft von Wohlen und Muri. Zu den aktiven Murianern wollte er aus sportlichen Gründen nicht wechseln. «Muri hatte damals eine Spielgemeinschaft mit Endingen. Ich hätte kaum gespielt. Ausserdem haben die meisten meiner Freunde, die mich zum Handballsport gebracht haben, aufgehört zu spielen. Deshalb ging ich zu Wohlen.»
Im Gegensatz zu zahlreichen seiner Mannschaftskameraden bei Wohlen hat Galliker nie höher als in der 1. Liga gespielt. «Ich werde auch nie wechseln, um höher spielen zu können. Aber ein Aufstieg mit Wohlen in die Nationalliga B wäre super.» Selbst einen Wechsel zu Muri zurück kann er sich nicht vorstellen. Zu sehr hängt sein Herz an der aktuellen Mannschaft.

«Es ist kein Hassduell»
Galliker erwartet ein spannendes Derby. «Muri wird alles unternehmen, um uns zu schlagen. Wir wollen in die Aufstiegsspiele und haben mehr Druck.» Die Stärken der Wohler sieht er im Mannschaftszusammenhalt und in der Defensive. Und Muri? «Sie sind unberechenbar. Sie haben gegen St. Gallen verloren, gegen die wir keine Probleme hatten. Dafür haben sie Kreuzlingen deutlich geschlagen. Man weiss nie, was einen gegen Muri erwartet.»
Dennoch freut sich Galliker sehr auf die Partie. «Das ist mein achtes Derby gegen Muri in der 1. Liga. Angefeindet wurde ich wegen meinem Wechsel von den Murianern nie. Alle haben die Gründe verstanden», sagt er und ergänzt: «Es ist schön, gegen bekannte Gesichter zu spielen. Es besteht eine sportliche Rivalität. Es ist kein Hassduell.» Und es ist anzunehmen, dass Galliker zum «Partyhengst» mutiert, falls Wohlen auch das vierte Duell gegen seinen Stammverein gewinnt.

Josip Lasic

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