Anni Brunner-Höltschi, Hilfikon

Do, 28. Jan. 2016

Unser Mueti, unser Anni, war kein Mensch der grossen Worte. Sie hat uns sogar gesagt, dass sie keinen Nachruf wünsche – doch gerade darum verdient sie einen, denn so viel Kraft und tiefe Liebe dürfen nicht ohne Echo bleiben.
Anni wurde am 16. Januar 1932 auf dem Bauernhof ihrer Eltern in Altwis geboren und blieb ihrer Heimat, dem Luzerner Seetal, lebenslang treu verbunden. Zusammen mit ihrer Schwester und ihren drei Brüdern verbrachte sie eine schöne Kindheit. Nach der Sekundarschule in Hitzkirch arbeitete sie in verschiedenen Haushalten und Hotelbetrieben. An einem Pferdespringreiten in Aesch lernte sie Hugo Brunner kennen und lieben, und die beiden heirateten schliesslich im April 1955 in der Kapelle Hilfikon. Es war eine gute Fügung, dass Anni die Gastwirtschaft bereits kannte, denn so war sie darauf vorbereitet, den Gasthof Elefant in Hilfikon mit Hugo zu übernehmen. Das junge Paar baute den Betrieb mit Umsicht, viel Einsatz und grossem Engagement auf. Es waren lange Tage und oft noch längere Nächte. Die Arbeit als Wirtin entsprach ihrer fröhlichen Natur, erfüllte sie mit immer grösserer Freude, zehrte aber auch an ihren Kräften.
Während jener Zeit wurde auch die Familie stetig grösser. Eine besondere Freude war die Geburt der Zwillinge, jedoch eine grosse Herausforderung, die Prioritäten am richtigen Ort zu setzen. Ihre nunmehr sechs Buben brauchten mehr und mehr von ihrer Aufmerksamkeit, und diese wollte sie ihnen als sehr fürsorgliches und warmherziges Mueti auch schenken. Nach 18 Jahren als Gastwirte beschlossen Anni und Hugo gemeinsam, das Gasthaus in andere Hände zu übergeben. Das wurde von vielen Gästen nicht verstanden und tief bedauert. Freundschaftliche Kontakte aus diesen längst vergangenen Tagen blieben bis heute erhalten. Anni war eine Frohnatur mit unglaublich viel Energie. Sie mochte die Menschen und schätzte die Anwesenheit von vielen Leuten. So trat sie nach der Übergabe des Gasthofes nicht etwa in den Ruhestand, sondern nutzte ihr Talent im Umgang mit Menschen zuerst als Verkaufsberaterin und baute sich damit ein neues Standbein auf. Sie genoss es, den Kunden die Wünsche von den Augen abzulesen und war sehr erfolgreich damit. Als selbst diese Aufgabe zu Ende ging, wollte Anni weiterhin mit Menschen zu tun haben. So ging sie noch lange Jahre als «Marktfrau» nach Zürich an den Gemüsemarkt, jede Woche und bei jedem Wetter. Aufgestellt und glücklich kam sie von diesen langen Tagen zurück und erzählte von ihren vielen schönen Begegnungen. Eine sehr dankbare Aufgabe übernahm Anni später zusammen mit Hugo bei der Betreuung von Rotkreuz-Patienten. Für Mueti war der gute Zusammenhalt der Familie das Allerwichtigste. Sie war bis zuletzt Dreh- und Angelpunkt und alle wichtigen Neuigkeiten wurden mit ihr ausgetauscht oder man erfuhr sie von ihr. Sehr glücklich machten sie das alljährliche grosse Familien- und Quartierfest in der Mühlematt und speziell das Fest zur diamantenen Hochzeit im vergangenen Frühjahr. Doch auch die kleinen, regelmässigen Besuche ihrer Kinder und Grosskinder schätzte sie sehr und nahm jede Einladung von ihren Kindern und Schwiegertöchtern dankend an. Hoch erfreut war sie jedes Mal, wenn eines ihrer zwölf Grosskinder sich zum Besuch anmeldete. Die Enkel, die in ihrer Nähe aufwachsen durften, erzählen immer wieder von früher, wie sie beim Grosi spielten, von ihren Streichen und wie sie mit Grosis alten Kleidern Kostümfeste feierten. Schöne Erinnerungen, die für immer haften bleiben. Spezieller Stolz erfüllte sie, als vor fünf Jahren Oliva, ihr erstes Urgrosskind, geboren wurde. Das Fest Maria Empfängnis, der 8. Dezember, war für sie ein wichtiger Tag – es war der Tag ihrer Verlobung. Dieser 8. Dezember ist für sie nun zum Tag des Heimganges zu ihrem Schöpfer geworden. Die Marienverehrung hat sie lebenslang begleitet. Oft hat sie Kraft gefunden bei Lourdes-Wallfahrten und hat diese Kraft an ihre Lieben weitergegeben. Die Schlosskapelle Hilfikon war – als ihre Hochzeitskapelle – für sie von grosser Bedeutung. Hier hat sie viele Jahre im Vorstand des Kapellenvereins mitgewirkt. Als äusserst geselliger Mensch war Anni für jedes Fest zu haben. Tatkräftig unterstützte sie ihren Mann jahrelang bei Anlässen des Reitvereins Lindenberg und schloss dabei viele enge und dauerhafte Freundschaften.
Zu ihrem 81. Geburtstag schenkten ihr ihre sechs Buebe einen Tablett-Computer. Erstaunlich schnell lernte sie, dieses Gerät zu bedienen, denn sie erkannte die Vorzüge der schnellen Kommunikation. Sie freute sich immer sehr über jede E-Mail, besonders wenn ihre Kinder und Enkel Bilder aus den Ferien, von Ausflügen, Festen oder sportlichen Ereignissen schickten. Wenn wir ihr nach Fehlfunktionen das Tablett wieder zum Laufen gebracht haben, sagte sie oft: «Wie hani da ä vorher ohni gmacht» – so sehr gewöhnte sie sich bereits nach kurzer Zeit an ihr neues Kommunikationsmittel. Ihr immenser Tatendrang wurde in den letzten Monaten durch starke körperliche Beschwerden und Schmerzen jäh gebremst. Mit unglaublicher Geduld und Glaube an eine Besserung hat sie diese Zeit ertragen und wollte ihre Familie möglichst wenig damit belasten. Dankbar über die Besuche ihrer Kinder und Grosskinder, welche ihr ihre Liebe spürbar zurückgaben, glaubte sie unaufhörlich an eine positive Wende ihres Gesundheitszustandes. Dankbar nahm sie selbst in den letzten Monaten jede Gelegenheit wahr, in geselligen Runden ihr Leiden zu vergessen. Das Jassen mit guten Freunden war für sie ein regelmässiger Aufsteller. Liebe Gattin, liebes Mueti und Grosi, obwohl wir dich unwahrscheinlich vermissen, müssen wir einsehen, dass die vielen Schmerzen dir tief zugesetzt haben. Wir sind dankbar, dass wir dich so lange bei uns hatten, denn wir sind uns bewusst, dass dies nicht allen Menschen vergönnt ist. Trotzdem bleibt der Abschied für uns sehr schwer.
Traurig müssen wir dich nun gehen lassen, doch bleibst du immer bei uns. Wir wissen, du wirst weiterleben in den Herzen derjenigen Menschen, die dich gekannt, geschätzt und geliebt haben.
Bhüt di Gott!


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