Umstrittener Film «Der böse Onkel»

Der neuste Film vom Aargauer Regisseur Urs Odermatt «Der böse Onkel» weist mehrere eindeutige Parallelen zum Fall Köbi F. auf. Inwiefern und wieso erfahren Sie in der Dienstagsausgabe und im Internet.

 

Der jüngste Streifen des Aargauer Regisseurs Urs Odermatt läuft derzeit in den Schweizer Kinos. «Der böse Onkel» ist ein umstrittener Film, der gelobt und ebenso oft kritisiert wird. Der Regisseur und seine Produzentin Jasmin Morgan lassen es sich nicht nehmen, bei der Wohler Premiere dabei zu sein.

Abstrakt. Nackt. Vulgär. Drei Attribute, die den Film des Aargauer Regisseurs Urs Odermatt treffend beschreiben. «Der böse Onkel» provoziert und ist geprägt von Odermatts schwarzem Humor. Die Sensibilität der Thematik Missbrauch versteckt sich zwischen den Zeilen. Es ist ein «typischer Odermatt-Film», wie Produzentin Jasmin Morgan beschreibt, den man nicht sofort analysieren, sondern zuerst verarbeiten muss. 

Für Überraschungen ist gesorgt

Hauptfigur in diesem Streifen ist Trix Brunner. Sie ist Mutter einer schulpflichtigen Tochter, die schildert, wie sie und ihre Mitschülerinnen im Sportunterricht von ihrem Lehrer Armin angegafft und begrapscht werden. Trix Brunner muss etwas dagegen unternehmen, will den Turnlehrer Armin stoppen und gerät so ins Abseits der Gesellschaft. Im Dorf, wo sie seit 12 Jahren wohnt und nie wirklich Anschluss fand, ist sie endgültig auf der Abschussliste. Einzig ein homosexueller Lehrer, der unter dem Mobbing von Turnlehrer Armin leidet, unterstützt Trix Brunner. 

Was das Verständnis der Thematik erschwert, sind abstrakte und unerwartete Szenen wie etwa Making-of-Ausschnitte oder Showeinlagen der Darsteller wie in einem Musical. Wird das Thema hier auf die Schippe genommen? «Auf keinen Fall», dementiert Produzentin Morgan. Ansonsten ist die Handlung klar und es lässt sich nicht verleugnen, dass der Film Parallelen zur Geschichte des Köbi F. aufweist. 

«Unruhestifterin» Ruth Ramstein packte aus

Köbi F. war in den 90er-Jahren Turnlehrer in Möriken und missbrauchte über viele Jahre seine Schülerinnen, bis sich Ruth Ramstein, gebürtige Wohlerin und Mutter eines der Opfer, gegen ihn auflehnte und den Vergewaltiger auffliegen lässt. Genau wie die Hauptfigur im Film «Der böse Onkel» Trix Brunner wurde auch Ruth Ramstein von ihrer Gemeinde verstos-sen und nicht ernst genommen. Der Name der Protagonistin des Films war ursprünglich sogar auf Ruth Wettstein gefallen, wurde im Nachhinein zu Trix Brunner geändert.Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Film und Realität ist der Dreh-ort beziehungsweise der Ort des Geschehens. Der ganze Film spielt im Kanton Aargau, wo auch die Verbrechen des Turnlehrers in den 90er- Jahren stattfanden. Regisseur Odermatt hält dagegen: «Ich bin von Windisch. Meine Vision war es, einen Film zu drehen, wo ich nicht in irgendwelchen Hotels übernachten muss, sondern in meinen eigenen vier Wänden schlafen und am Morgen gemütlich zum Drehort fahren kann.»

Obwohl gewisse Parallelen eindeutig sind und der Streifen bereits im Vorfeld aufgrund dieser Übereinstimmungen kritisiert wurde, streitet Odermatt ab, den Fall «Köbi F.» verfilmt zu haben. 

Der Fall «Köbi F.»

«Überall gibt es Täter und Opfer. In jedem Dorf gibt es einen Köbi F.», ist sich Regisseur Odermatt sicher. «Der Fall «Köbi F.» hat mich nie interessiert.» Das Thema «Vergewaltigung» sei alltäglich, sagt Odermatt. «Deshalb glaube ich, dass es einer solchen Geschichte guttut, wenn sie nicht so verklemmt und prüde dargestellt ist.» Und tatsächlich ist der Film alles andere als verklemmt oder prüde. 1000 nackte Darstellerinnen  und Darsteller wollte Odermatt für seinen Streifen. «Ich hatte noch nie so viele Freiheiten, um einen solchen Film zu drehen», freut sich der Regisseur. 

Dass er kein Geld zur Verfügung hatte, sah er nicht als Problem. «Es war eine Herausfordergung. Ein Abenteuer für alle Mitwirkenden.» Der Erfolg sei für Odermatt bereits jetzt da. «Der Film ist so geworden, wie ich es wollte. Es ist das Geilste, was ich je gemacht habe. Der Rest, der jetzt noch folgt, ist bloss noch Dessert.» 

«Kein Mainstream im Rex»

Der Besitzer des Kinos Rex Hansjörg Beck interessierte sich von Anfang an dafür, den Film in Wohlen zu zeigen. «Für mich geht es nicht einmal um den Bezug zur Region. Es interessierte mich, wie ein Film wird, der unter diesen Umständen – ohne Gelder und nur mit ehrenamtlichen Mitarbeitern – schliesslich auf der Leinwand wirkt.» Beck ist dafür bekannt, auch an Abenden des «Filmclubs Wohlen» extravagante Streifen zu zeigen. «Der Film von Urs Odermatt ist speziell und alles andere als Mainstream.» Und das sei schliesslich ausschlaggebend für die Vorstellung inklusive Regisseur und Produzentin. --mwi

 

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