Christoph Flory, Projektleiter von Pro Natura Aargau, bezeichnet das Werk «Hegnau» jetzt schon als «die Perle der verschiedenen Auengebiete». Die Reuss habe vor rund hundert Jahren im Auengebiet Hegnau in etwa so ausgesehen wie jetzt – nach der gelungenen Renaturierung, erklärte er. Es sei immer schwierig, eine ursprüngliche landschaftliche Situation 1:1 nachzubauen. Insbesondere, wenn die Dimension so gross ist wie bei diesem Projekt. Das stille Gewässer, ein Flussarm der Reuss, liegt idyllisch – inmitten eines Waldes – und erstreckt sich auf einer Fläche von rund 1,5 Hektaren. Für das Auenprojekt musste eine Fläche von zwei Hektaren Wald gerodet werden.
Grosszügige Ortsbürger
Projektleiter Thomas Egloff vom Departement Landschaft und Gewässer betonte: «Dieses Auenprojekt ist aus verschiedenen Gründen einmalig und entspricht nicht der Regel.» Ein wesentlicher Grund sei, dass das Land beziehungsweise der Wald von den Bremgarter Ortsbürgern zur Verfügung gestellt wurde. Zudem sei die Rodung keine zweckentfremdende gewesen, weil das Areal primär als Naturschutzgebiet (Naherholung) und als Fischgewässer genutzt wird.
Auch die Finanzierung sei speziell: In der Regel beteiligten sich beim Auenprogramm der Kanton und Pro Natura sowie die Stiftung Reusstal. Doch beim Auenstillgewässer Hegnau übernehmen 65 Prozent der Kosten in der Höhe von rund 1,7 Millionen Franken der Bund und der Kanton. An den restlichen Kosten beteiligen sich die Stadt Bremgarten mit dem zur Verfügung gestellten Land der Ortsbürger und 150 000 Franken aus deren AEW-Fonds. Dieser enthält Entschädigungen, welche die AEW Energie AG für den fischereiwirtschaftlichen Schaden im Staugebiet des Kraftwerks Zufikon entrichtet. Weiter beteiligen sich an den Kosten der Fonds Landschaft Schweiz mit 100 000 Franken und der Ökostromfonds Kraftwerk Wettingen (geäufnet vom Elektrizitätswerk der Stadt Zürich) mit 400 000 Franken.
Lebensraum für Artenvielfalt
Der Seitenarm der Reuss ist ein stehendes Gewässer, das aber mit der Reuss verbunden ist. Es eignet sich besonders für Jungfische. Ein metallener stabiler Fusssteg führt übers Gewässer und sollte auch dem Hochwasser standhalten.
Es sei wichtig, dass die Fische im Winter genügend tiefe Unterstände zur Verfügung haben, sagte Christoph Flory. Denn dann führe die Reuss wesentlich weniger Wasser als in den restlichen Jahreszeiten. Die tiefsten Stellen des Gewässers sind mindestens vier Meter. Ausserdem bräuchten die Fische nicht an 365 Tagen Frischwasserzufuhr. Auch Eisvögel, Amphibien, Insekten, Biber bevölkern das Auengebiet. Die Uferschwalbe hat sogar dank dem Auenschutzprogramm einen neuen Lebensraum erhalten, einen grossen Sandhügel; und sie ist mit ein Grund, warum die Kosten etwas höher als geplant ausgefallen sind. Es sei durch das abgetragene Material genügend Sand vorhanden gewesen, das man unbedingt wieder verwerten wollte. Nun kann die Uferschwalbe Löcher graben. Gesamthaft konnten 10 000 Kubikmeter des ausgehobenen Materials in die Reuss gekippt werden. Neues Kies ergibt neuen Laichgrund. 90 000 Kubikmeter wurden abtransportiert und aufbereitet.
Zur Gestaltung der Aue Hegnau war die Kreativität des Baggerführers gefragt. Denn das Gewässer und dessen Umgebung sollten möglichst natürlich aussehen. Das ist gut gelungen. Denn da und dort ragen Wurzelstöcke aus dem Wasser oder im Uferbereich liegen halbe Baumstämme. Das Gewässer ist unterteilt in verschiedene Ebenen und Strukturen. Vorgesehen ist, dass ab nächstem Jahr einige Wasserbüffel im Auenstillgewässer auftauchen, um für «Ordnung» zu sorgen und auch dafür, dass das neu gebaute Gewässer nicht in ein paar Jahren wieder verlandet.
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